Markaudio MOAP7 im Frugalhorn

Neugierig geworden angesichts der Begriffe MOAP7 und Frugalhorn?

Zwei Begriffe, die mir bis vor einigen Tagen nichts sagten.
MOAP7 ist ein frisch entwickelter Treiber der Firma Markaudio, seines Zeichens Breitbandentwickler aus UK.
Das Frugalhorn ist eine Entwicklung aus dem Lautsprecherbau, und wurde um 2014 im DIY-audioforum vorgestellt und bis zur Version 3 ständig weiter entwickelt.
Es geht also um ein eigenwilliges Lautsprecherprojekt, dass zeigen sollte, ob man der mächtigen Altec 604 mit einem kleinen Breitbandlautsprecher Konkurrenz machen kann?

Einleitung

Urlaubszeiten sind Projektentwicklungszeiten: so auch im September, als ich am Flughafen eine Selbstbauzeitschrift ergatterte und auf ein interessantes Projekt stiess (Minibox mit einem Mittelhochtonbreitbänder).
Wie gewohnt nahm ich meine Audiofreunde in die Planung hinein, und unser Senior liess einen saloppen Satz los, der der Zündfunke dieses Beitrages wurde:
“……. wenn schon Boxenbau, dann MOAP7 und ein Lepetite Gehäuse!”
Also doch kein Nachbau eines Zeitschriftenprojektes ???

Beide Begriffe waren böhmische Dörfer, aber das Netz klärte dann doch auf, worum es sich handelt.
Erfahrungsberichte von anspruchsvollen HiFi-Fan’s machten mich neugierig.

MOAP7 Breitband Frugalhorn
………erstes Probehören vor Abschluss der Oberflächenarbeiten

Insbesondere einzelne Berichte über vergleichbare Breitbänder (Fostex) und den Aufbau dieses Horn und das Auffinden präziser Nachbauanleitungen liessen die Entscheidung reifen:
Es wird ein MOAP7 Frugalhorn und:
– diesmal Neuland
– Hornbau
– “single Chassis” Verwendung OHNE Frequenzweiche
– Breitbänder

Technische Planung und Werkzeuge – Baukosten

Wenn man sich den Bauplan heruntergeladen hat und ihn studiert, stolpert man schnell über die Neigung des Gehäuses und die Tatsache, dass viele Einzelteile NICHT rechtwinkelig gebaut sind, sondern Neigungen und Verrundungen an zahlreichen Stellen auftauchen.
Der Nachbau ist nicht so ganz einfach.

….von der frugal-horn Seite entnommen

Wesentliche Voraussetzung ist eine Präzisionskreissage, die auf 0,5 Grad exakt und reproduzierbar einzustellen ist! Und zwar sowohl die Sägeblattstellung als auch die Gehrung.
Hier kam eine Ulmia 1610 zum Einsatz.

Als Material wurde 15mm finnisches Birkenmultiplex, massive Eiche als Baffle/Chassisträger und ein Buchenstiel einer Baustellenschüppe verwendet – dazu später mehr.

Die Chassis liegen bei einem Stückpreis von 150 €, das  Holzmaterial bei ca. 100 €, wenn man es im Holzfachhandel kauft.
Hinzu kommt dann noch das Dämm-Material mit ca. 45 € und ein paar Kleinteile.

Holzkonstruktion
…die bereits einseitig verleimte Seite. die obere linke Öffnung dient der späteren Chassisaufnahme aus massiver Eiche.. rechts angelehnt der Zuschnitt der zweiten Box…

Die 300 x 150cm Multiplexplatte habe ich mir “vorschneiden” lassen, um sie transportieren zu können.
Dann erfolgte auf der heimatlichen Kreissäge der Zuschnitt aller Teile (Deckel, Boden, Rückwand, Innenseite des Horns) exakt nach den Bauplänen der frugal-horn.com Seite.
Die Seitenteile sind herausfordernd und mussten zum Teil auf der Bandsäge geschnitten werden, da der nach hinten zeigende Teil mit einem Radius von 157,3cm gerundet ist.
Und das hat einen Grund, der in der Hornkonstruktion begründet ist.

Nach dem Zuschnitt wurden die Einzelteile im Bereich rechtwinkliger Verbindungen mit Lamello’s versehen und trocken zusammengebaut.

Erstaunlicherweise brauchte dann nichts mehr korrigiert zu werden.
Die Verleimung erfolgt zunächst auf eine Aussenseite, da später vor dem Verleimen der 2. Aussenseite das Innenleben gedämmt werden muss.

Trickig war die Anfertigung eines Halbrundstabes im Bereich des “chokes”, also dem Bereich, in dem die spitz zulaufende Hinterwand und die Horninnenwand bis auf 38mm auf das Bodenbrett zulaufen.

….aus einem abgebrochenen Bauschüppenstiel zugeschnitten…

Hier darf nichts scharfkantiges liegen, da es akustisch ungünstig ist.

Nach einer Weile fiel mir ein alter abgebrochener Stiel einer Maurerschüppe ein, den ich – wie immer – aufgehoben hatte.
Und tatsächlich hatte er exakt das Mass, das benötigt wurde.
Zunächst auf Länge (140mm) geschnitten, wurde er dann elegant an der ACM Bandsäge längs aufgeschnitten und anschliessend stumpf verleimt.

Modifikation

Lediglich die Aufnahme des Chassis habe ich anders umgesetzt. Aus einer wurmstichigen schönen Eichenbohle
wurde ein 18 x 18cm grosses Stück gehobelt und auf 2,5cm Stärke abgerichtet (Schleicher Dicken- und Abrichthobel).

Dann erfolgte mit einem Kreisschneider ein 12cm durchmessender Ausschnitt für den MOAP7 Treiber.

….die 15mm starke 45 Grad Fase minimiert Undichtigkeiten

Die Front und die Massivholzaufnahme wurden gefast, um evtl. Undichtigkeiten im Übergang zu minimieren.

Die Massivholzaufnahme ist mit 50mm Spaxschrauben in die Seitenteile und den Deckel verschraubt.

Dämmung

Ein mir gänzlich unerschlossenes Gebiet, aber dank der Aufbauanleitung kein Thema.

Dämmung mit Feinwaage und exakt im Bereich der Druckkammer mit selbsthaftender Steinwolle (10mm). Die blaue Zwinge bringt die Fase zum Verleimen exakt dicht

Im Bereich des Chassis wurde mit Steinwolle gedämmt, der Rest mit 80 g feinen weissen Dämmmaterial.

Polyestermaterial im Restbereich. Dies bestimmt den Dämpfungsfaktor der Box. Mit ingesamt 80g in einem akustisch trockenen Raum fast überdämmt…

Auf die Grammangaben sollte man achten, später kann man dann die Dämmung im Bereich der Hornhinterwand händisch erhöhen oder reduzieren – je nachdem wie die Hörsituation ist.

Dann erfolgte der definitive Verschluss durch Verleimen der zweiten Aussenwand.

…..Zwingen hat man nie genug…

Nach dem Probehören erfolgt noch die Oberflächenbehandlung und die Anprobe von geeigneten Füssen. Das Frugalhorn sollte entkoppelt stehen, da der Boden ordentlich Schallenergie überträgt.

Höranprobe

Neugierig habe ich in der Nacht vor dem definitiven Verschliessen des Frugalhorns den MOAP7 testweise an die 300B Endstufe angeschlossen – also nackt ohne Gehäuse.

Frustriert habe ich nach wenigen Minuten ausgeschaltet, da das Signal leise, und eher quäkend kam, keine Frequenz unter 150Hz war hörbar.

Hätte ich den Aufbau nicht so weit vorangebracht, hätte ich hier aufgehört!!

Altecs, Greencones, und auch andere Chassis machten da weit mehr, betrieb man sie “nackt”.

Aber nun kam der Biss in den sauren Apfel, an einem Objekt weiter zu arbeiten, dem man innerlich erst mal gekündigt hatte…….
Eigentlich hatte ich einem 70mm Treiber nie getraut, und in diesem Augenblick dachte ich: rausgenschmissenes Geld und vor allem verschwendete Zeit.

Nach der Dämmung (siehe oben) und Anbringen von 2 schlichten Lautsprecherterminals der spannende Augenblick.
Die Chassis wurden mit 5 Schrauben befestigt, und provisorisch auf Sylomer gestellt …

….das kleine MOAP7 Frugalhorn neben der monströs wirkenden Altec Box. Was würde die kleine Schwester hergeben??

Das Musiksignal kam von einem hochwertigen DAC und später Schallplatte, als Vorverstärker der hier beschriebene und als Endstufe erst die 300B und dann noch eine Class D Hypex Endstufe.

Die ersten Töne- und mir blieb der Mund offen stehen. Was war das??

Mahlers 1. Sinfonie unter Zinmann mit dem Tonhalle Sinfonieorchester ist ausgezeichnet eingespielt und glänzt mit grossem Dynamikumfang.

Kräftig und raumfüllend war Musik da!!

Als erstes fiel mir der leichte unbeschwerte filigrane Mittelhochtonbereich auf. Kein Blick, woher das Signal kam. Es stand im Raum!!
Ein verblüffende Räumlichkeit, und eine b r e i t e Bühne!!

Dann Kesselpauken, Cello, Bratschen, alles sehr natürlich und TIEF!!!

Es waren die gleichen Treiber der Nacht davor, und vielleicht erstmalig habe ich den zwingenden Zusammenhang zwischen Gehäuse und Treiber in seiner gegenseitigen Abhängigkeit so begriffen, wie in diesem Augenblick.

3 Tage Arbeit, und Wochen Denkarbeit davor hatten sich gelohnt.
Nun spielen sich die Chassis ein, und ich bin gespannt, was sie in einigen Tagen von sich geben werden.

Dankeschön und Nachwort

Mein ausdrücklicher Dank geht an unseren Senior G., der mich mit der Nase auf das Thema gestossen hat. Dank seiner unermüdlichen Recherche im Netz fischt er immer wieder echte Perlen heraus, von denen ich nicht einmal im Ansatz etwas gehört hatte.

…David gegen Goliath

Technisch sind  die MOAP7 bis 20W belastbar, eine Endstufe mit 5-10 Watt bedient den Lautsprecher zuverlässig.

Der Wirkungsgrad ist mit 88dB angegeben und realistisch.

Das Gesamzgewicht der Winzlinge ist so niedrig, dass man sie unter den Arm klemmen und tragen kann.

Die Oberfläche wird abschliessend teilfurniert und dann geölt.