Sony PUA286 – Antiskating Reparatur

Sony PUA286 Tonarm 11 1/4 Zoll? Was ist das für ein Arm? Lohnenswert?

Viele Fragen und eine einfache Antwort:
ein toller studioerprobter japanischer Arm aus den Endsechzigern, robust, 4 fach gelagert, universell einsetzbar, gut zu bedienen:
kurzum, er gehört durchaus auf einen Zeitgenossen, den Garrard 301.

Sony PUA286 und Garrard 301 vertragen sich gut, und dank SME Headshell Bajonett ist der Einsatz sehr weit aufgestellt, zumal der Sony PUA286 bereits ab 0,2g Auflagekraft sicher abtastet.

Aber dieser Arm hat die eine oder andere Schwachstelle, die dem Alter geschuldet ist, u.a. das Reißen des Antiskatingfadens oder ein instabiler Tonarmlift.
Da hierzu wenig Dokumentationen zu finden sind, erfolgt eine Reparaturanleitung des Sony PUA286 Antiskating.

Vorbemerkung

Es handelt sich nicht um die gewohnte Einrichtung aus Faden und Gegengewicht.

Die Skizze als Aufsicht soll den Vorgang erklären.

Mit dem Tonarm(1) ist eine kugelgelagerte Abtastrolle(2) starr verbunden.
Die Abtastrolle(2) läuft gegen einen ebenfalls spielfrei gelagerten Steuernocken(3) der der Abtastrolle eine Art Steuerkurve ‚entgegensetzt‘, auf der die Abtastrolle mit dem Einwärtslaufen des Tonarms (Skating) die Antiskating-Bahn ‚abläuft‘.
Bei Erreichen des Labels steht die Abtastrolle am höchsten Punkt des Steuernockens – also wie abgebildet.
Der Steuernocken wird über einen Faden (4) vorgespannt.
Der Faden läuft vom oberen Ende des Steuernockens durch eine Nut (links seitlich im oberen Anteil des Nockens)und dann frei um den Drehpunkt zum Eintritt in das Gehäuse des Antiskatingturms(5).
In diesem Tum ist eine Feder verbaut, in die der Faden eingeknotet ist bzw. wird.
Je stärker die Feder nach rechts (gegen den Uhrzeigersinn) ‚verdreht‘ ist, um so mehr Spannung (Anti-Skating-Kraft) entsteht auf den Faden.
Dies erfolgt durch Drehen der oben liegenden Rändelschraube der Antiskatingeinrichtung und ist letzlich die Kraft, gegen die der Tonarm über die Abtastrolle gegen die Steuerkurve läuft .
Die Madenschraube(6) ermöglicht eine Begrenzung und Feineinstellung der Federspannung bzw. Antiskatingkraft.

Sony PUA 286
….Verlauf des Fadens (gelb) in den Antiskatingturm

Der Faden hat seinen Ursprung in der Federaufnahme im Antiskating-Einstell-Turm (von mir so genannt).

Er verläuft dann unter dem schwenkbaren Nocken durch die schlitzartige Fadenführung zum Einhänge- bzw. Befestigungspunkt.

Einhängepunkt der Gegenseite – Faden klebend fixiert

Durch Drehen der Rändelschraube erfährt im ‚Turm‘ die Feder eine veränderte Vorspannung, die über den Faden, Schwenknocken auf den Arm übertragen wird.

Reparatur
…ausgebauter Turm, darunter der gerissene schwarze Faden…..
…Blick auf die Fadenaufnahme, die durch den Turm hindurchzieht. Zwischen Knoten und Aufnahme liegt eine winzige Lagerscheibe/Beilagscheibe !!

Ist der Faden gerissen, sollte zunächst der ‚Turm‘ durch Lösen von 2 Schrauben an der Basis ausgebaut werden.
Um die Reparatur anschaulicher zu machen, wird ein gelber reißfester Faden aus dem Drachenbau verwendet, wie er beim Bau des Schröderklons eingesetzt wurde.

…die kaum erkennbare Beilagscheibe aufgeädelt auf den Faden
…Einlage in den Führungsschlitz und Markieren des Austrittspunktes (schwarzer Edding)

Nach Entfernen der unteren Madenschraube wird der alte Faden von der Knotenseite ausgefädelt (AUCHTUNG MINIBEILAGSCHEIBE) und der neue Fande wird durch die Führung gefädelt(Lupe!!), und mehrfach verknotet, NACHDEM die Beilagscheibe aufgefädelt wurde.
Bitte den Überstand noch nicht abtrennen!!
Den Antiskatingturm rückmontieren und darauf achten, dass die ROTE EINSTELLMARKIERUNG in Richtung Tonarmachse zeigt!! Nur so läuft der Faden frei vom Drehpunkt des Nockens in den Antiskatingturm.
Dann wird der Faden lose um den schwenkbaren Nocken zur Gegenseite geführt und in den Führungsschlitz eingelegt.

Nachfolgend kann der Faden zu einer Schlaufe geknotet werden (über einem Q-Tip), die ihrerseits auf der Endseite des Nockens eingehängt werden kann.
Alternativ kann man es auch mit einem TRÖPFCHEN Sekundenkleber fixieren (siehe nachfolgende Beschreibung).

…..die fertige Schlaufe…

Nun muss die ganze Kunstruktion vorgespannt werden.

…mit vorläufig gespannten Faden. Die rote Markierung zeigt später deutlich weiter nach links. Unten an der Basis eine von 2 schwarzen Madenschrauben. Der Fadenüberstand ist zunächst belassen -> siehe Text

Die Spannung der Grundkonstruktion erfolgt bei maximale Spannung  der Feder im Antiskatingturm (Drehung mit etwas Fingerspitzengefühl und Beobachten der Fadenspannung).
Zuvor wird der Arm so gestellt, dass die Abtastrolle quasi auf der Spitze des Abtastnockens steht (Erreichen der Labelposition der Nadel).

Also:

  • Tonarm so drehen, daß der Tonarm in der Auslaufrille (höchster Punkt der Steuerkurve) steht
  • Antiskatingturm so rückmontieren, dass der händisch gespannte Faden vom Drehpunkt des Steuernockens kommend FREI durch den Turm läuft
  • die beiden schwarzen Basisschrauben festziehen
  • Faden auf der oberen Nockenseite in die Nut eingelegt spannen und dann mit einem Tröpfchen Sekundenkleber am obersten Punkt fixieren
  • testweise am anderen überstehenden Ende des Fadens (Antiskatingturm) ziehen, um den Arm ‚rückwärts’auf die Steuerkurve zu ziehen
  • die überstehenden Fadenenden vorsichtig abtrennen
  • Madenschraube am Fuss des AS-Turms gegen den Knoten des Fadens bzw. die gespannte Feder ein wenig eindrehen
  • Die Madenschraube der Antiskatingmarkierung lösen und den Einstellring auf die erste Markierung ‚3‘ stellen und fixieren, da die gesamte Montage so das maximale Antiskating darstellt
  • nun den Arm in die Einlaufrille bewegen, so dass die Abtastrolle am Beginn des unteren Teils des Steuernockens steht – und das Antiskating auf die erste Markierung zurückdrehen
  • mit der Madenschraube hinter dem Knoten die Federspannung fein einstellen, so dass gerade noch keine Federkraft wirkt, der Faden aber gespannt ist
  • Kontrolle: auch bei Drehen auf Antiskating ‚3‘ findet noch keine Bewegung des Arms statt – bei Einschwenken bis zum Plattenlabel nimmt die Antiskatingkraft dann aber  sicht- und spürbar zu
  • Fertig!!
Ergebnis

Mit guten Werkzeug, nicht zu viel Kaffee, gutem Licht und ruhiger Hand bekommt der Arm wieder seine Antiskatingvorrichtung.
Es braucht Zeit, ist aber keine Zauberei, sondern schlichtes Handwerk und eine sehr clever ausgedachte Vorrichtung.

Einhängepunkt der gegenseite

 

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