Studer A807 MkII – die VU-Einheit – Teil 3

Diese Studiomaschine brauchte zu Lebzeiten keine VU Einheit, da sie hinter einem Profimischpult lief (das nach Aussagen des Vorbesitzers manchmal als Sitzplatz genutzt wurde).
Soll nun ein Mischpult im heimischen Betrieb her?
Alternative wäre eine VU-Meter Einheit, wie sie auf alten Studer Prospekten zu sehen war.

…Prospektbild aus ’studerundrevox.de‘

Etwas Erfahrung hatte ich durch das – wesentlich umfangreichere – Nachrüsten der B67.

Aber alleine bei der Suche eine dieser VU-Einheiten zu finden, geschweige denn, es zu bezahlten, gestaltet sich bei den grossen Maschinen als nahezu aussichtslos.
Es wird berichtet, dass der allergrösste Teil der Ersatzteile bei der Zerschlagung der Studergruppe, schlicht ‚entsorgt‘ wurde.

Beim Studium der Unterlagen vor dem Kauf fiel etwas auf, was ich bis dato nicht gesehen habe:
die Maschine ist teilbestückt, oder anders ausgedrückt: auf den Platinen ist alles vorgesehen, um die Maschine auf- oder umzurüsten.

Das war die Geburtsstunde der Umrüstung der A807 mit VU-Einheit….

Technischer Hintergrund

Baut man die Commandplatine hinter der Rückfront oder die Audioplatine im Inneren der Maschine aus, so fallen sofort ungezählte Lötpunkte ohne Bestückung auf. Warum?

……jede Menge bereits entlöteter  Lötpunkte auf der command-Platine – weiss: VU-Meter Platz

Es gab wohl verschiedenste Versionen dieser Maschine, aber immer die gleichen Platinen an den Stellen, die sich durch den Bestückungsumfang unterschieden.

Was gab das Servicemanual dazu her? Sehr viel:

  • die verschiedenen Stromlaufpläne der Versionen
  • exakte Stücklisten zu den Versionen
  • Aufbauhinweise und Abbildungen der Platinen
  • Abbildungen der Leiterbahnführung

Der Rest ist mehr oder weniger Rechenarbeit:
man nehme die VU-Version und subtrahiere die ‚Non-VU-Version‘, dann bleibt der Umbau in Einzelteilen.

….der handgeschriebene Rechenzettel 😉

Um es vorweg zu nehmen: um eine funktionsfähige VU Einheit zu betreiben, muß die Commandplatine hinter der Front, die beiden Audioplatinen um wenige Bauteile und 6 Potentiometer nachgerüstet werden.

Technische Erklärung

Die Maschine ist nahezu komplett Mikroprozessor gesteuert. Der wesentliche Unterschied im VU-Meterbetrieb sind digitale Schalter, die den Zustand von Tipptasten auswerten.
In der VU Version übernimmt auf dem Audioboard ein MC14053 diese Funktion, zugehörig auf dem ‚command-board‘ ein 74HC595 bzw. 74HC596 Shiftregister.
Beides sind verfügbare Standardbauteile.

Commandboard

Es gibt jüngere und ältere Versionen dieses boards, beide sind gut dokumentiert.
Nach dem Entlöten zahlloser Lotpunkte, wurde nach SM bestückt.
Zum Entlöten eine Bemerkung:
die Studerplatinen sind robuster als die Revox Platinen, mögen aber nicht zu viel und nicht zu lange Hitze.
Mit einem ausreichend grossen Lötmeissel und guter Entlötlitze klappte das Entlöten am behutsamsten.
Auf mechanische Hilfen (Entlötpumpe manuell oder elektrisch) wurde verzichtet.

…rechtsseitig bestücktes VU-Meter, Steckkontakte für die LED’s – Anode rot isoliert (Schrumpfschlauch)

Alle Bauteile sind heute noch Standard und leicht verfügbar!

…sorgsam gereinigte und gelötete Rückseite – bleihaltiges Lot!!

Durch diesen Vorgang (ca. 4 Stunden Arbeit) ist aus der Standard ‚comand-unit‘ eine ‚VU-Unit‘ geworden.

2 defekte VU Meter, die nicht in Frage kamen…..

Bleibt die Frage nach den VU-Metern selber. Da habe ich mich eines Zufalls bedient. Wer die abgespeckte Revox Version dieser Zeit kennt (Typ C270), weiss, dass dort exakt die gleichen VU Meter verbaut sind. Und die Suche auf ebay.com war erfolgreich, so dass für einen wesentlich geringeren Preis als üblich  die Revox VU Meter für eine Studer von Spanien nach D’land kamen.

Audioboard

Es sind 2 Gruppenabschnitte, die erweitert werden:
der Inputbereich:

Ausschnitt aus dem Stromlaufplan – IC4 muss im unbestückten Zustand von 3-4 gebrückt sein!!
….die zu ergänzenden Teile des Inputbereiches

Unter Zuhilfenahme des SM sind die wenigen Bauteile zügig nachbestückt.
Etwas trickig ist der J3, da der Bautyp nicht mehr verfügbar ist.
2.5mm Rastermass und 3 Pin’s einer heute noch verfügbaren Steckverbindung erledigten das. Es musste nur eine Brücke auf der Rückseite gelötet werden.

Output-Sektion

Hier fehlten nur wenige Bauteile, allesamt Klein-Elko und Widerstände.
Diese links auf der Platine angeordnete Baugruppe ist in der Nachbestückung kleiner als die Inputgruppe.

..unterhalb des orangefarbenen Steckverbinders liegen die neuen Bauteile des output-Bereiches

Potentiometer

…Chassisausschnitte für die Aufnahme von Potentiometern

Hier ging Qualität vor Baugrössengleichheit. 6 Vishay Präzisionspotentiometer wurden verbaut und mittels Kabelbaum zu den neugeschaffenen Steckbuchsen geführt.

Probebetrieb
….rote und grüne Litze stellen die Verbindung VU-Einheit/Audioboard her

Nach dem Führen einer Litze vom Audioboard zum Commandboard der spannende Augenblick:
alles läuft auf Anhieb.
Abgleich der VU Meter mit den links liegenden Potis, Abgleich der Peakanzeige mit den rechts liegenden Trimmern (blau).

Auch die Betätigung der Tipptasten funktioniert problemlos. Die Schalter, die oben erwähnt wurden, machten gleich den richtigen Job.

Mechanische Bauteile

Um die Tipptasten und LED Anzeige zu realisieren, braucht es 4 ‚Push-Button-Housing‘ Einheiten. Da wurde ich in Kanada fündig, wo wohl noch besseren Ersatzteilbestände liegen.

…die housing Einheiten

Und schliesslich brauchte es eine neue Abdeckung, die sehr schön in Littauen nachgefertigt wird.

Hier ein paar Bilder der excellenten und äußerst präzisen Nachbildung.

…die frisch eingetrudelte untere Front gleich aufgelegt
….auch die gelg/weisse Farbe ist exakt dem Original entsprochen. Perfekt!!
…die Potentiometerknöpfe werde ich drucken lassen, diese sind erst mal nur der Versuch….

Weiter geht es mit der elektrischen Zentrale: Netzteil und Motorsteuereinheit Teil 4

 

 

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