
Es war ein ordentliches Stück Arbeit, bis alles, so wie beschrieben, getan war. Aber in der Zusammenfassung kann man nur eines sagen: es hat sich gelohnt!
Um dem Leser abschliessend einen Überblick über die erledigten Arbeiten zu geben, wurde diese Zusammenfassung einer Studer A807 MkII Revision mit ungefähren Zeitangaben geschrieben und ein Schlußfazit gezogen.
Arbeitszeiten
- Zerlegen der Verkleidung und gründliche Reinigung incl. Kratzerbeseitigung ->2h
- Ausbau der Kopfblockes, Reinigung und Entmagnetisierung ->1h
- Ausblasen und Entstauben der gesamten Maschine ->1h
Summe: 4h
Elektrische Arbeiten an Spannung und Motor/Capstanboard
- Revision Netzteilplatine + 10.000uF Kondensator -> 1,5h
- Revision ‚motorspooling‘ Platine ->2h
- Revision ‚capstanplatine -> 0,5h
- Revision Bandzugsensor, Audiocontrolboard und Hauptsteuerplatine ->1h
Summe: 5h
- Bestückung mit fehlenden Bauteilen ->4h
- Einbau von 5 housingeinheiten incl. LED -> 2h
- Einbau der VU-Meter, LED und Beleuchtung ->1h
Summe 7h
Umrüstung und Revision der Audioplatinen
- Ergänzung der Bauteile zum VU-Meterbetrieb -> 2h
- Tausch aller Kondensatoren -> 5h
Summe 7h
- Neujustage des Shuttlebetrieb -> 0,5h
- Justage der Bandführungen -> 1,5h
- Reinigen und Justage der Bremsen und Bandzüge -> 2h
- Bau der Seitenverkleidungen aus massiven Nussbaum -> 5h
Summe 9h
Prüfung und Abgleich aller Platinen bzgl. Sollspannungen nach SM
- Summe 2h
Neueinmessung auf 2 Bandsorten (statt CCIR/Nab) auf CCIR
- Summe 1h
Es kommen also fast 40 Stunden zusammen – das Einarbeiten in das Servicemanual und die Schaltungen nicht gerechnet. Eine komplette Arbeitswoche.
Deshalb sind aus meiner Sicht Vollrevisionen dieser Maschine in professioneller Hand nicht unter 2000€ zu veranschlagen (wobei ich mich NICHT mit den Profis messe!).
Kosten
- 2 VU Meter 400€
- Abdeckung unteres Frontpanel 150€
- Netzteilrevision incl. 4 grosser Elkos 100€
- Kleinteile Elektrik/Elektronik 50€
- Schlachtplatine für ‚housingeinheiten‘ incl. Potentiometer 140€
Summe: 840€
Qualität der Maschine
Hier gehen die Meinungen sehr weit auseinander, von ‚Sparmaschine Profibetrieb‚ bis ‚teilamputiert‘ (wegen der fehlenden rechten Bandzüge).
Das hatte mich schon vor dem Kauf nicht beeindruckt, da die Maschine m.E. technisch, bedienungstechnisch, KLANGLICH und optisch über jeden Zweifel erhaben ist.

Die Revisionfreundlichkeit finde ich nicht so schlecht, wie immer behauptet wird. Es sei mal ein Fehler auf einer tragenden Steckkartenplatine einer A810 oder einer B77/PR99…….
Okay, es sind keine Steckkarten verbaut, aber der Zugriff auf die ‚elektronisch tragenden‘ Platinen ist einfacher. Das Ausklappen des Controlboards und der Auszug der Audioplatinen ist m.E. sehr gut gelöst.
Von der Rückseite ist JEDE Platine im Zugriff.
Einige Merkmale haben mich beeindruckt:
– der Shuttlebetrieb
– die individuelle Konfiguration über Hardwarejumper incl. Manipulationsschutz der Bandmesswerte
– das Wickelverhalten trotz ’nur‘ eines Bandzugsensors
– die Archivfunktion mit behutsamer Umspulung ohne Luftpolster
– alle Funktionen sind nur über Taster realisiert (Erhöhung der Ausfallsicherheit)
– die Mehrfachfunktion über Shift
– Einmessung ohne Öffnen der Maschine und sehr schnell!!!
– Softjumper mit individueller Konfiguration (2 Bandsorten auf CCIR)
– Geräuschkulisse (Zuschalten des Capstan erst bei Betrieb)
– super robuster mechanischer Aufbau
– ……
Meßwerte
Hier die Fotos der Frequenzverläufe auf LPR35 bei 3 Geschwindigkeiten nach CCIR.
Die Adiokarte des Kanals L1 ist revidiert, L2 ebenfalls mit deutlichen Änderungen bei der Einmessung!!!

Und dann runter auf ‚meine‘ Hauptbetriebsart:

Ein schnurgerade Verlauf, ab 10kHz diskreter Höhenabfall, die Tieftonsenke am Anfang könnte dem noch nicht revidierten Audioboard geschuldet sein.

Schlusswort:
die Geschichte hinter der Maschine –
der Mensch an der Maschine
Selten hat mich die zwischenmenschliche Komponente bei einem Kauf älteren Audioequipments so bewegt, wie der Kauf dieser Studer A807 MkII .
Mit der Gründung eines Lokalsenders in den 90er Jahren fand die A807 den Weg in das östliche Ruhrgebiet.
Mit der Erstsendung – der der Besitzer damals lauschte – war der spätere Moderator der Meinung: ich kann das (auch) und will Radio machen.
Mit dem Quereinstieg aus der Metallbranche erfüllte sich ein Kindheitstraum.
Der Quereinsteiger bekam eine Chance – und nutzte sie! Er wollte allerdings nur 3 Monate bleiben.
Seine markante Stimme wurde zum Markenzeichen des Senders, und so wurden aus 3 Monatentatsächlich 33 Jahre.
Ungezählte Themen hat er recherchiert, Interviews in den möglichen und scheinbar unmöglichen Situationen geführt, die Menschen im Pott bei Laune gehalten.
Es ist faszinierend, ihm heute noch zuzuhören, ein toller Typ!!
Nun hat er mit der Kiste mit Bändern sein Lebenswerk in fremde Hände gegeben – und ich werde diese Bänder nicht löschen und neu nutzen. Das geht einfach nicht!!
Schon bei der Abfahrt nach dem Kauf registrierte ich den nachdenklich traurigen Blick, als ich mich vom Hof machte (im wahrsten Sinne des Wortes)….
Die Bänder werden hier oder zurück beim Verkäufer sicher gelagert – und wer weiss, was daraus noch wird.
Die Maschine, auf der sie produziert wurden, wird das jüngste Mitglied einer alten Vintageanlage (Garrard301, Phonovorstufe EMT139, Röhrenvorstufe, V69a Endstufe und Altec604).
Klanglich alles über jeden Zweifel erhaben – trotz und gerade wegen des neuen Familienmitglieds.



Dortmund 26.01.2025