Reinigung und Geruchsneutralisierung

Wer sich mit alter Elektronik beschäftigt, weiss um den unangenehmen Nebeneffekt, dass manches erstandene Gerät aus “Raucherhaushalten” stammt oder aus anderen Gründen einen kaum tolerablen Eigengeruch hat.

Oft werde ich gefragt, wie die Geräte davon befreit werden?

Hier ein paar Erfahrungen zu diesem Thema:

1. das Gerät – soweit man es sich zutraut – in alle Einzelteile zerlegen und dies fotografisch dokumentieren

2. Sichtbare Oberflächen äußerlich behutsam(!!) mit einem milden Kunstoffreiniger säubern.
An versteckten Stellen die ersten Versuche!
Bewährt hat sich der Kunstoffreiniger der Fa. Burnus GmbH.
Besondere Vorsicht ist bei allen Beschriftungen gegeben, vor allem bei Siebdrucken.
Manchmal klebe ich das erst vorsichtig ab und reinige es im letzten Gang.

3. Innen liegende Oberflächen:
hier verwende ich Spiritus und/oder Aceton, der eine fettlösende Wirkung hat und als “Feuerzangenbowlen-Abkömmling” auch noch desinfiziert.
Speziell metallische Oberflächen, Abdeckbleche etc. sind damit hervorragend sauber zu bekommen.

4. Nextel Oberflächen:
Mit der Zeit wird der Lack klebrig und hat dann eine besondere Affinität zu Nikotin, Cola und Konsorten.
Mittlerweile traue ich mir zu, das Nextel radikal und komplett mit reinem Spritus und reichlich saugenden Papier zu entfernen.
Übrig bleibt dann die gute Grundierung als bräunlich-grau-gelbe Fläche.
Sind Kratzspuren, Riefen oder andere Beschädigungen vorhanden, wird mit einem Füller aus der Sprühdose vorgrundiert, nach Trocknung mit 600er Schleifpapier zwischengeschliffen und dann in einem dem Nextelgrau nahen RAL Ton aus der Dose lackiert.
Hier sollte auf gute Qualität (gleiches Sprühverhalten bis zum letzten Tropfen!!) geachtet werden. Baumarktware ist ungeeignet.

6. Innenverkabelung:
Sofern sich das Gerät modular gut zerlegen lässt (alle Revox und Studer Geräte sind da vorbildlich), ziehe ich die ausgebauten Kabel durch einen Alkohol getränkten Lappen.

7. Platinen:
Hier führen mehrere Weg zum Ziel:
– befinden sich keine “offenen” Bauteile auf der Platine (Trimmer, Spulen, Relais etc…..) wandert die Platine ins Ultraschallbad.
– anderenfalls lege ich die Lötseite 1 h in ein Alkoholbad, reinige anschliessend mit der Zahnbürste mechanisch auch die Bestückungsseite und spüle alles mit aqua dest ab.
Dann muss sorgfältig getrocknet werden.
Keinesfalls resttrocken verbauen und Einschalten, das kann fatal enden!!!

8. Kontakte:
Da Schaltkontakte, Potis etc dazu neigen, zu altern, benötigen sie oft besondere Zuwendung.
Hier lohnt es sich, die Angebote der Fa. Kontaktchemie, Teslanol und Ballistol zu studieren.

9. Schrauben und mechanische Verbindungen:
diese tausche ich in der Regel gegen Edelstahl-Neuware aus.

Da die Optik neben der Geruchsneutralität eine für mich wichtige Rolle spielt, habe ich in ganz schlimmen Fällen auch schon mal eine Front getauscht. Das bildet aber die Ausnahme.

Sollte der Restgeruch immer noch stören (was extrem selten  ist), lohnt es sich die Kaffeemühle anzuschmeissen, und das frische Kaffeemehl in einer möglichst oberflächengrossen Schale an geeigneter Stelle im Gerät zu plazieren und alle 5-7 Tage zu tauschen……

Erfahrungen mit Ozonreinigung habe ich keine, finde das Verfahren aber sehr interessant! Mein Autohändler hat einen Kleinwagen damit sehr effektiv “geruchsgereinigt” bekommen.

Der Lohn der mühsamen Arbeit ist ein sauberes und geruchsneutrales Gerät, das optisch dem Neugerät recht nahe kommt.

Schreibe einen Kommentar