XONO2019 – Teil 7 – Test, Betrieb und Erstbeurteilung

Die bisherige Bilanz kann sich sehen lassen. Zeit für eine Zusammenfassung und einen ersten Klangeindruck……
Der Aufbau incl. Gehäusearbeiten nahm ca 50 Freizeitstunden in Anspruch und machte riesig Spass.
Bisher ist kaum ein Projekt so zügig und komplikationslos über die Bühne gegangen.

provisorischer Schlussaufbau, auf dem Auszug das Netzteil ohne Gehäuse nur auf Grundplatte

Die Platinen sind qualitativ hervorragend gefertigt, das Layout ist meisterhaft, sämtliche Teilinbetriebnahmen haben auf Anhieb funktioniert. Das ist auch der Dokumentation und den FAQ Seiten zu verdanken!

Die Anregungen zu einem leicht modifizierten Gehäuselayout waren hilfreich und ich bin mit dem Gesamtergebnis mehr als zufrieden.

Statistik
  • Arbeitszeit: ca. 50 Stunden (incl. Fräsarbeiten)
  • Zahl der Bauteile: ca. 500
  • Anzahl der Lötstellen: (>1500 nicht mehr gezählt 😉 )
  • Kosten aller Bauteile: ca. 600 € (ohne die Platinen)
  • Kosten des Gehäuses und mechanischer Teile: ca. 300 €

Lohnt sich der Aufbau, wenn man schon eine SXONO und XONO stehen hat(te):

ein klares JA!!

Technische Daten und Testbilder am Analyser

Bevor das Gerät endgültig in Betrieb ging, habe ich spasseshalber am Wandel & Goltermann mal die Werte gemessen:

  • Klirr bei 1mV Signal 450Hz und 60dB Verstärkung: <0,030%
    ……gaaaanz niedriger Klirr
  • Klirranteil: geringes K2, praktisch kein K3
  • Kurvenverlauf RIAA: mustergültig, siehe Bild
    RIAA
  • Kurvenverlauf Decca als Vergleich:
    ….DECCA
  • Stromverbrauch im laufenden Betrieb: ca. 24 W, Standby 22 W, oder 0,5kWh/Tag bzw. 180kWh im Jahr (ca. 50 Euro Jahresstromkosten)
  • Warmlaufzeit bis Betriebsstabilität: ca. 180 Minuten
Klangbeurteilung

Darauf warten natürlich alle Leser, und ich versuche es mal so sachlich wie möglich. Nach solch einem Marathon muss man aufpassen, objektiv zu bleiben. Zu viel Spass und Neugierde stecken in dem Projekt – und DIY’ler sind selten “objektiv” in der Klangbeurteilung!!

Aber ich versuche es mal mit “meiner Klangbeurteilung “:

Hörkette:

Gehört habe ich mit

  • EMT930 – Eigenmodifikation – mit Sorane Tonarm und SPU Gold N in der 1/2 Zoll Ausführung (MC)
  • EMT930 mit Moerch DP6 und Nagaoka MI System (MM)
  • SXONO als Vergleichs-Phonovorstufe
  • EMT 139 als Röhrenvergleichsvorstufe mit umschaltbaren Kennlinien
  • XP30.Klon als Vorverstärker
  • XA30.8 Klon als Endstufe
  • Quad ESL57 stacked (komplett revidiert)
  • Ripol samt Frequenzweiche und Hypex Endstufe als Bassunterstützung

Musikmaterial:

  • Mahler Sinfonie Nr.1 “Der Titan”, Haitink Philips
  • Dvorak “Sinfonie aus der Neuen Welt”, Kertecz Decca
  • Bruch ” Violinkonzert Nr.1″, Karajan, DGG
  • Diana Krall, “Loveszenes”, Verve
  • Ralph Towner, “Solokonzert” & “Blue sky”, ECM
  • Sarah K., “Waterfalls”, Stockfish

Erstens: die Xono2019 ist völlig still. Kein hörbares Rauschen, absolut kein Brumm, „schwarze Ruhe“.

Zweitens: die Bedienung ist intuitiv, auch mit der einfachen Fernbedienung. So kann die Bedienung am Hörplatz erfolgen, und das Umschalten von Anpassungsparametern hörend vorgenommen werden.

Drittens: die eingestellte Anlaufzeit mag irritieren, aber sie macht Sinn. Nach 180 Sekunden sind die Jungregler durchgeladen, aber die Arbeitspunkte noch nicht erreicht. Da gehe ich eher von 30 – 60 Minuten aus. Also rechtzeitig warmlaufen lassen.

Viertens: der Verstärkungsfaktor ist nicht ganz so hoch, wie bei der Sxono, aber mehr als ausreichend. Akustisch gehe ich von ca. 3dB Unterschied aus.

Und beim “Querbeethören” die ersten Spontaneindrücke:

  • der Hintergrund ist schwärzer, tiefer
  • es erscheinen mehr kleine Details, ohne das Klangbild zu zerreissen, die Räumlichkeit gewinnt noch mal, vor allem in Breite und Tiefe
  • der Bass scheint noch etwas kontrollierter und “abgründiger”
  • gute Laufwerke zeigen noch mehr, was sie können. Diese Vorstufe kitzelt weiteres Potential heraus
Bilanz

Das als erster Eindruck für die Neugierigen oder diejenigen, die den Nachbau bereits überlegen.
Eine genauere Beschreibung weiterer Höreindrücke folgt in den kommenden Tagen.
Zunächst muss aber das Netzteil noch in ein chices Gehäuse…..

Die XONO2019 ist das Beste,
was ich bisher an Phonovorstufen gehört habe.
Die Unterschiede sind nicht frappierend,
überraschen aber im Detail!
Das hatte ich so nicht erwartet – und das bereits nach wenigen Stunden als Ersteindruck!
Die XONO hat sich selber Konkurrenz gemacht!

Nachtrag 2.10.2020 (Schneidkennlinien)
Die Xono2019 spielt sich ein. 24h Dauerbetrieb bei geschlossenen Deckel lassen den Ruhestrom steigen, so dass um ca. 20mV heruntergeregelt werden muss.
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Bei längeren Hören interessiert mich die Wirkung der unterschiedlich einstellbaren Schneidkennlinien.
Dazu kamen erst einmal einige Decca ffs Aufnahmen auf den Teller.
RIAA Betrieb liess die alten Aufnahmen im Decca-T Modus sehr angenehm klingen (Dvorak, "Aus der neuen Welt"Kertecz; Sibelius "Finlandia"; deFallia,.........).
Aber mit dem Umschalten auf die Decca Kennlinie offenbarte sich die Qualität dieser ohnehin wunderbaren Aufnahmen erst richtig.
Die Kesselpauken, Trommeln kamen viel natürlicher, die Differenzierung der Streichergruppen gelang besser, die vorher etwas dumpf klingenden Kontrabässe kamen frisch und deutlich; insgesamt "sortierten" sich die Aufnahmen.
Es fand eine Aufhellung ohne hörbare Anhebung der Höhen statt. Ein toller Effekt!
Die Wirkung war mit DGG Aufnahmen im Teldec Modus ähnlich, und ich kannte das Phänomen ja schon von der EMT139 Replik. Aber die XONO2019 macht es noch etwas präziser und räumlicher.
Das Violinkonzert von M.Bruch mit Oistrach läuft zur Hochform auf, sehr feine Staffelung des Orchsters, vor allem im 2.Satz. Stellenweise hält man die Luft an, so authentisch kommt die Musik (habe selber Streichinstrument gespielt).
Nachtrag 3.10.2020 (MC-Anpassung)
Das ist keine neue Geschichte, auch die SXONO hält diese Option vor. Aber auch hier ist die XONO2019 etwas besser.
Vielleicht liegt es an den wesentlich kürzeren Umschaltzeiten oder etwas anderen.
Aber beim Betrieb der SPU Systeme - die ja alle einen sehr kleinen Innenwiderstand um ca. 4 Ohm haben - verändert sich der Höreindruck merklich. Je näher es an die 40 Ohm Grenze als Abschlusswiderstand in der Xono2019 geht, um so geschlossener wirkt das Klangbild.
Frauenstimmen (Diana Krall, Barbara Streisand, Eva Cassedy) rücken etwas aus dem Gesamtgeschehen hervor, Details werden deutlicher. Alles Nuancen - aber hörbar.
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Das gleiche mit der MM Anpassung. Ich verwende durchaus 2-4m hochwertiges Phonokabel zwischen Übertrager (SPU) und MM Eingang. Da der MM Eingang relativ empfindlich auf Kabelkapazitäten reagiert, war das Spiel mit den Abschlusskapazitäten interessant.
Ja, auch hier stellt sich ein positiver Höreffekt ein. Mehr Transparenz.
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Lasse ich das Royal N am Übertrager gegen den Direktbetrieb am MC Eingang antreten, so gewinnt derzeit noch der Übertrager. Am MC Eingang klingt es leicht nervös, mit Picatronübertrager oder Haufe im MM Betrieb hingegen überragend musikalisch. Mal schauen, ob sich das mit der Zeit ändert. Noch hat sie ja erst 50 Stunden Betriebsdauer....
Nachtrag 3.10.2020 (Überraschnung)
das EMT TSD 15 gilt eigentlich als ein System, dass einen EMT Übertrager verlangt. So habe ich es bisher auch betrieben.
Aber: die Xono2019 kann es besser! Mit 249Ohm Abschlusswiderstand klingt es luftiger und offener - einfach ein bisschen besser!
Nachtrag 5.10.2020 (SPU Royal N)

Bezüglich des Royal N habe ich einen "falschen Fehler" gemacht, und bin von einem falschen Innenwiderstand ausgegangen. Das SPU hat 7 Ohm statt der o.g. 4 Ohm!!
Also den Abschlusswiderstand auf 71 Ohm verändert und jetzt passt es super. Die Nervosität aus dem Klang ist raus, und es spielt mindestens ebenbürtig mit dem Picatron Übertrager, der bisher der optimale Anschluss war.
Ansonsten merkt man das "Einspielverhalten". Mit jedem Tag - bei durchlaufenden Betrieb - wird das Bild offener und musikalischer, als es schon am Anfang war.
Eine tolle Phono-Vorstufe!!
Nachtrag 6.10.2020 (Vergleich XONO2019-SXONO-EMT139)
Alle drei Vorstufe liegen nahe beieinander, jede mit ihren spezifischen Vorteilen.
Klanglich hat die XONO2019 aber die Nase klar vorne.
Ich denke, dass es die Freiheit von Koppelkondesatoren und ein besseres Schneidlinienkonzept ist.

Im Vergleich ist die EMT139 nicht schlecht (vor allem unter Berücksichtigung des Aufwandes), aber die XONO2019 löst die Schneidlinien präziser und komplexer auf.
Darüber hinaus ist der Vergleich Transistor/Röhre mit Bedacht zu führen, da die Konzepte sehr unterschiedlich sind.
Aber die EMT wird - schon alleine aus historischen Gründen - ihren Platz behalten.

Der Vorteil der SXONO ist weiterhin die Wahl mehrerer Eingänge. Da hat sie die Nase vorn. Also die Vorstufe für Besitzer mehrerer Laufwerke und/oder Arme

Aber klanglich reichen beide nicht an die Neue heran.
Müsste ich eine Reihenfolge wählen, so sähe sie so aus

- Sieger nach Punkten und Klang: XONO2019
- EMT139 Replik klanglich prima, deutlich geringster Bauaufwanddie - SXONO erhält den dritten Platz, da sie mit hohen Bauaufwand klanglich mit der EMT nahezu gleichauf ist