Beruflich hiess es immer: eine seltene Sache kommt nie allein.
So auch mit dieser Studer B67 Mk 2 , einer Maschine des NDR, die wie sauer Bier monatelang bei ebay angeboten wurde. Zwar mit VU Meter, aber offensichtlich nur für einen kalibrierten Betrieb – und in einem ordentlich ramponierten Flightcase…….


Kurz nach der Vollendung des Umbaus der Studer A807 kam ein Sonder-Angebot, dem ich nicht wiederstehen konnte.
Die Studer B67 Mk 2 ’sass‘ in einem flightcase und war für einen speziellen, mir nicht bekannten Zweck umgebaut worden.
Da ich den Verkäufer aus früheren Käufen kannte, war es – auch bezüglich der Köpfe – aber kein Spiel mit vollkommen unsicheren Faktoren.
Ausgangssituation
Da bereits die Beschreibung des Verkäufers eine Komplettrevision vermuten liess, checkte ich die Maschine nur kurz: strenger Geruch aus einer ‚motor spooling Platine‘ – die berüchtigten Rifas….. Maschine sofort wieder ausgeschaltet.
Ohne lange zu zögern wurde die B67 Mk2 komplett zerlegt und zeigte dann folgendes Fehlerbild:
– 2 defekte motor spooling Platinen




– teildefekte Netzteilplatine
– testweise ausgelötete Tantal und Elko’s ausserhalb der Spezifikation
– vom Servicemanual abweichende Verdahtung der VU Einheit
– keine Potentiometer, keine cal/uncal-Taste
– ruckelnde bzw. ‚gefressene‘ Kugellager im Motorbereich
– trocken gefahrene Motorachse des Capstanmotors
– unzureichende Bremsung nach Reparatur der spoolingplatinen
– Riss eines Bremsbandes (rechte Seite) am Ansatz
– zerkratzte Oberflächen der Umlenkrollen, der Bandzählrolle und der grossen Umlenkrolle links
– ‚gefressene‘ Kleinlager der Bandzählrolle

Revision
Hier gilt es immer, die mechanische Revision, die optische Überarbeitung und die elektrische/elektronische Aufarbeitung zu unterscheiden.
In aller Regel sind aber immer alle 3 Faktoren für einen späteren Einsatz ‚kriegsentscheidend‘.
Mechanische Revision


Unter Zuhilfenahme des Servicemanuals wurde alle 3 Motoren, die Bremseinheit, Bremsbänder und Bremstrommeln ausgebaut und aufgearbeitet.
Die Kugellager waren wohl noch Original, die Kugeln stellten sich nach dem Ausbau der Kager zum Teil fast rechteckig dar…..
Die Lager sassen so fest (gerostet) auf den Achsen, dass erst ein Holzklotz und Hammer die Zerlegung der Spul-Motoren zuliess.
Die Achse des Capstan war trocken, das Filzlager am oberen Ende der Achsführung ebenfalls.
Beläge auf Motorachsen, Bandrollen, etc. wurden sorgfältig poliert, und erst nach der elektrischen Revision wieder zurückgebaut.
Die Bremsbänder sahen auf der Belagseite noch gut aus, die Bremstrommeln waren ’nur‘ verschmutzt. Der gute Bremsenreiniger von Balistol half ihnen wieder auf die Sprünge.
Ein Riss am Ansatz des Bremsbandes wurde gerade gebogen und erfolgreich über Nacht mit 2K Epoxid Kleber repariert.
Nach den Reparaturen erfolgte die Einstellung der Bremsbänder nach SM, ebenso die Bandzugmomente der Spulmotoren.
Optische Revision
Hier sollen Bilder sprechen, im wesentlichen wurde zerkratzte Oberflächen auf der Drehmaschine neu plan gedreht und poliert.



Elektrische Revision
Netzteil

Motorkondensatoren

Repro-Amp / Record-Amp

Zählwerk und Steuerplatine

……..
VU Einheit
Hier ging es an das Eingemachte, da die Maschine für kalibrierten Betrieb mit -10dB unter Vollaussteuerungspegel umgebaut war.
4 passende Potentiometer, 2 Schlafaugenschalter, 4 Potentiometerknöpfe mit Skalenabdeckkappe und selbstgedrehte Skalenzeigerträger versetzten die Maschine wieder in den Look der alten wunderschönen VU Version.

Das Rücklöten der Kabelverbindungen ging dank belassener und sorgsam isolierter Kabelreste sehr gut, lediglich die Kopfhöreranschlüsse links mussten neu verdrahtet werden.
Fazit nach Komplettumbau und Neueinmessung
Die Maschine wiess mit dem Frequenzgangwiedergabe-Band bei -20dB – OHNE NEU`JUSTAGE DER VERSIGELTEN KÖPFE – einen schnurgeraden Frequenzverlauf bis > 20.000Hz auf. Der Kopf-Spiegel von 3mm tat keinen Abbruch. Mein Dank gilt den Schmetterlingsköpfen!!
Die Aufnahmeeinmessung lieferte ebenfalls bei 19cm/sek und natürlich bei 38cm/sek einen vorbildlichen Frequenzgang (eingemessen auf LPR90).
Selbst bei 9,5cm/sek fiel der Frequenzgang erst jenseits der 18kHz-Marke.
Genau wie bei der A807 täuscht das Bild der gerreinigten Köpfe über deren Leistungsfähigkeit hinweg!!

Lassen wir noch einige Bilder sprechen:




So konnte wieder eine fast schrottreife Maschine einer neuen langjährigen Zweckbestimmung zugeführt werden.

