Jung Regulator in der SXONO

Über die XONO, SXONO und verschiedene Abkömmlinge ist eigentlich erschöpfend viel geschrieben worden, und die XONO hat sich in der Beliebtheit der Vinylhörer nicht umsonst in die Spitzengruppe geschoben.
Warum also ein Jung Regulator? Und was ist das überhaupt?

Einleitung

Mit zunehmender Bauerfahrung über vielen Jahre zeigt sich immer deutlicher, dass neben einem ausgeschlafenen Schaltungskonzept die Stromversorgung der Dreh- und Angelpunkt einer guten Musikwiedergabe ist.

Ohne allzusehr in die Tiefen der Technik zu gehen, sei so viel verraten, dass auch mit hochwertiger RC (Widerstand-Kondensator) oder LC (Drossel-Kondensator) Siebung bereits eine hinreichend gute Stromversorgung zur Verfügung steht, vor allem wenn Schottky-Dioden moderner Bauart in der Gleichrichtung zum Einsatz kommen.

…klassisches Netzteil mit AC/DC Filter, reichlich Kapazität und Capmuliplier 2 x 40V

Aber wie immer in der Elektronik: es geht noch etwas.
Im Jahr 2013 haben sich zwei äußerst ausgeschlafene Elektronikingenieure (Walter Jung /Jan Didden ) eine Schaltung entwickelt, die die Stromversorgung optimiert und tatsächlich hörbar zum Tragen kommt.

Das Prinzip ist eine Steuerung und Befreiung des “unsauberen” Spannung/Stromsignals mittels OP-Amp.

Der Leser kann über die oben genannten links jede Menge weiteres lesenswertes Material ergattern. Es ist hochinteressant.

In einem Grundlagenartikel beschreibt der Autor die klanglichen Auswirkungen des Jung Regulator im verblindeten Test vor höchst empfindlichen Ohren.

Spannend wurde es für mich, nachdem ich eine XONO mit Jung Regler gebaut, betrieben und den Unterschied gehört habe.

Fazit: das muss auch an anderen Geräten getestet werden.

Aufbau

Als ich von einem Bekannten gebeten wurde, eine der letzten SXONO Platinen zu einem hochwertigen Projekt “zusammenzubauen”, bot sich die Gelegenheit, den Jung Regulator am echten Neubau-Objekt zu testen.

…die finale Version, die 15V Spannungsregler liegen näher an den OPA’s

Die SXONO basiert auf einem 2-Gehäuse-Konzept, also der Trennung Stromversorgung und eigentliches XONO Bord.

Da mein Bekannter lediglich die SXONO und nicht XPre nachgebaut habe wollte, war im Netzteilgehäuse genügend Platz, den Jung Regulator einzusetzen und zu testen, da das Netzteil kleiner dimensioniert werden konnte.

Netzteilkonzept

Das Netzteil muss eine saubere 2 kanalige symmetrische Spannung von mindestens 2 x +/-40V bereitstellen.
Konkret wurde dies mit einer hochwertigen AC/DC Filterung VOR dem 2 x 30VA Müller Rondo Trafo realisiert.
Dann folgt eine Siebung mit Schottky-Dioden, ein Snubber Netzwerk und ein hochkapazitive Siebung im RC-Stil. Einem Capmultiplier nachfolgend stehen dann ca. 2 x 40 V symmetrisch zur Verfügung.

Von dort ausgehend würde normalerweise der Eingang der SXONO geschaltet werden.

An dieser Stelle kommt der Jung Regulator zum Einsatz – also zwischen Netzteil und SXONO Platine.

Stromlaufplan und Platine stehen im Netzt zur Verfügung, die Schaltung habe ich auf die speziellen Bedürfnisse der 35V Versorgung etwas angepasst.

Platine

Der Jung Regulator ist käuflich zu erwerben und auf einer erstaunlich kleinen Platine in diskreter Bauweise umgesetzt. Jan Didden ist für das Layout verantwortlich und über den DIY Store ist die Platine problemlos zu beziehen.

Da ich einige Besonderheiten hatte, wurde die Platine gefräst (BZT, KiCad, …), konventionell diskret bestückt und am Labornetzteil getestet.

…..1 kanaliger Jung Regler +-37V

Mein Modifikation besteht neben einer höheren Einspeisespannung (42V) in einer Verwendung eines anderen OP-Amp, der eine eigene Stromversorgung (+-15V) benötigt.
Ausserdem ist der Spannungsteiler – der letzlich die Ausgangsspannung festlegt – an die 35V Bedürfnisse angepasst und mittels Trimmer fein einstellbar.

Ansonsten ist konzeptionell alles wie in der Ursprungssschaltung umgesetzt. Als Referenzspannungsquelle kommt ein LM329 als Zener-Diode (6,9V Referenz) im TO92 Gehäuse zum Einsatz.
Um den headroom der Spannungseinstellung anzupassen – das Original soll +-15V liefern – ist die zweite Zenerdiode von einer ZF10 auf eine ZF20 angepasst. Damit liegt der Einstellbereich von 30 – 40V.
All diese Modifikationsmöglichkeiten sind im englischen Originalartikel gut beschrieben.

Im Layout zwischen einlagig oder doppellagig hin und hergerissen, habe ich mich der Einfachheit halber für das einseitige Layout entschieden und die wenigen F-Kupferbahnen mit versilberten Cu-Draht “gezogen”.

…lediglich Spannungsversorgende Bahnen sind auf die Bestückungsseite geroutet (Silberdrah

Wer hier nach einem Stromlaufplan sucht, muss ich (erneut) enttäuschen, er unterliegt dem Copyright Jung/Hidden, aber mit etwas Suchen und Geschick findet man ihn über die o.g. Quellen, u.a. hier der Originalartikel von Walter Jung.

Um in der eigenen Anlage den Jungregler zu testen, habe ich kurzerhand den Jung Regulator in ein flaches 1HE hohes Gehäuse gepackt und die Mosfet’s zur Kühlung mit der Bodenplatte verschraubt.
So wird er einfach in den Spannungsversorgungsweg eingeschleust.

Einbau

Über Wago Steckverbindungen kann der Jung Regulator schnell zugeschaltet oder auch aus dem Spannungsweg genommen werden, um zu Testen, wie die klanglichen Auswirkungen sind.

Und es bestätigt sich das, was dem Jung Regulator nachgesagt wird:

(entnommen aus diesem Artikel https://linearaudio.nl/sites/linearaudio.net/files/v4%20jdw.pdf )

After listening to several sample recordings, Track 3 of Rachmaninoff Symphonic Dances, Funeral March, “Andante con moto (tempo di valse)” from Reference Recordings5 was chosen for the test.
This recording has very good demonstration of percussive, string and brass instruments, quiet passages and moments of bombastic attack!
Each panelist was given a ballot with the device number, and space for recording their impressions.
The rankings were determined by scoring each device for Dynamics, Quietness and Noise, Renders Complex Passages, Size of Soundstage and Inner Detail, and Overall Impression. These are the factors which appear as criteria in audiophile magazines. A “5” was accorded for “excellent” and a “0” for “poor”.
All of the regulators were reviewed one time for a general impression and familiarisation, and then reviewed again for criticism. The regulators were then segregated into 3 groups and the best (including ties) were re-examined. The listening test was completed over a period of 7 hours.

In the first set of listening tests, the winner by a nose, was the Jung/Didden regulator, first discussed in the 1/1995 issue of The Audio Amateur and updated to include the changes suggested in AudioXpress 5/00.
Following closely behind were the Burson Regulator from Australia and the Sjöstrom
from Sweden. A second group which was deemed slightly inferior consisted of the Linear Technology LT1963A/LT3015 devices and the “NewClassD” regulator.
At the bottom of the list were the Bybee
Music Rail, the Salas Simple Shunt and Invisus. Table 7 lists the overall ranking.
After the first round the best sounding of the lot (Jung/Didden, Burson, Sjöstrom, Linear and New Class D) were separated for another round of critical listening. At this time, no scores had been tabulated so there was no bias applied to the rankings.

Mit eigenen Worten: das Grundrauschen ist reduziert, das Klangbild noch etwas differenzierter, vor allem die “Bühne” profitiert und es ist mehr “Attacke” im Klangbild.

Fazit

Der Jung Regulator ist eine feine Stellschraube, mit der – mit relativ wenig Aufwand (25€ pro Kanal) – an nahezu jeder Schaltung positiv “geschraubt” werden kann.

Das Platinenlayout habe ich universell gestaltet, um mich verschiedenen Spannungsanforderungen anpassen zu können.

Es geht immer noch etwas!