Viele kleine Tips rund um analoges Hifi

Mittlerweile hat sich aus der Restauration verschiedenster Geräte und dem genussvollen Hören analogen Musikmaterials eine kleine Sammlung wiederkehrender Tricks und Tips entwickelt, die ich an dieser Stelle gerne weitergebe.

…Messuhr in der 8mm Aufnahme der Mafell um die Platinenlage zu prüfen

Dabei handelt es sich teilweise um spezifische Restaurationstips, zum Teil aber auch um allgemeine Dinge, die beim Handling mit Verkabelung, Plattennutzung (Vinyl), Bandgerätenutzung und Elektronik wichtig sein können.
Es kostet alles nichts und bringt viel!! Versprochen!

Restauration und Reparatur
  • da fange ich mal mit dem letzten Gerät an – einem Denon DP37F. Der Direkttriebler mit dem Biotrace Tonarm.
    Das Gerät wurde mir “mausetot” zugeschickt, der Motor lief bereits beim Einschalten wild drauf los, sonst aber keinerlei Funktion.
    Ursache waren 3 defekte LDR (light demanding resistor) in der Steuerung des Biotrace Tonarms und der nachgeschalteten Regelelektronik.
    Glücklicherweise fanden sich im “oldfidelity forum” Tips.
    Nach Tausch der LDR gegen mühsam aufgetriebene moderne Typen (LDR5229), Neueinmessung und Reinigung läuft der Spieler wie neu.
  • Restauration von Vintagegeräten und Stromversorgung:
    die meisten Geräte kranken im Alter vorrangig an Ihren Netzteilen und den dort verwendeten Bauteilen (Spannungsregler, Kondensatoren, Dioden, Brückengleichrichter).

    Netzteile lohnen sich immer KOMPLETT aufgearbeitet zu werden. Ansonsten aber bitte keinen blinden Aktionismus oder das oftmals empfohlene “Recapping”, also Tausch aller Kondensatoren.
    Besser ist nach Aufarbeitung des Netzteils ein Überprüfen der Sollspannungen an Hand des Servicemanuals und dann ggfls. gezieltes handeln.
    Probleme bereiten oft Kondensatoren der Firma Philips und Röderstein sowie die kleinen Tantals und Endstörkondesatoren (RiFa Bomben). Darauf sollte man besonders achten.
  • Löten bzw. Entlöten
    Das Netz ist voller Tips zu korrekter Anwendung von Lötkolben, Lot und Konsorten.
    Beim Löten ist die Verwendung des richtigen Lötzinns (kleine Menge Pb!!) und der Temperatur wichtig. In aller Regel bin ich mit einem Felder Lötzinn und 300 – 3120 Grad unterwegs. Die Lötspitze wird dem Anwendungszweck angepasst und regelmässig trocken gereinigt.
    Beim Entlöten bin ich von ruckartigen Absaugmanövern weg -also keine Absauggerätschaften – , weil dies den Leiterbahnen erheblich schaden und sie ablösen kann. Ausgenommen sind die professionellen Entlötstationen, über die ich aber nicht verfüge.
    Besser gelingt es mit Entlötlitze!! Es ist mühsamer, aber die Platine dankt es!!!
  • Kontaktspray
    Meines Erachtens richten sie mehr Schaden als Nutzen an.

    …eine Revoxplatine, auf der die Schalter massiv mit Kontaktspray behandelt wurden. Kupferoxyd läuft aus den Schaltern!! Danke Lars D. für das Bild
    …und so schaut das dann von innen aus. Da hilft nur Komplettersatz. Foto Lars D. Danke!!

    Also: behutsamer Einsatz, nicht fluten und im Zweifelsfall Ersatz beschaffen.
    Auf Revoxplatinen bitte die vergoldeten Bahnen auf den Platinen NICHT BEARBEITEN!! Lediglich der Tausch der Kontaktfedern in den Schaltern bringt voran.

  • Dokumentation der Restauration
    Im Zeitalter von Digitalkamera und Handy samt eingebauten Kameras ist die Dokumentation einfach und immer hilfreich. Nicht zu selten kommt es vor, dass nach dem Zusammenbau Teile “übrig” bleiben ….. und dann??
    Es ist eine nicht zu unterschätzende Hilfe, den vorher/nachher Zustand zu dokumentieren.
    In aller regel reicht als Beleuchtung eine gute LED Lampe oder Lupenleuchte aus.
Cheap tricks
  • Plattenreinigung OHNE Maschine
    eigentlich gebe ich das ungern weiter, weil ich damit den Nachbau meiner geschätzten Plattenwaschmaschine “unterlaufe”, aber es klappt wirklich sehr schön:
    moderne Mikrofasertücher aus dem Medizinbereich plus behutsam auf den Lappen aufgesprühte Spirituslösung nimmt Verschmutzungen von der Platte excellent herunter. Einfach mal ausprobieren!!
  • Motoröl/Lageröl
    auch hier kann man natürlich bei Reibradlern oder anderen achsbetriebenen Geräten unverhältnismässig teures Originalöl nehmen. Es geht aber auch mit W10-40 Hochleistungsöl aus dem Automobilbereich.
    Meine Teller drehen damit zum Teil minutenlang nach und mögen dieses Öl!
    Bei manchen Geräten ist der regelmässige, jährliche Ölwechsel empfehlenswert.
  • Nadelreinigung
    Es kursieren mittlerweile unzählige Methoden, Tonabnehmernadeln zu reinigen. Aber:
    erste Massnahme sollte sein, den Schmutz erst gar nicht an die Nadel zu lassen. Also Platte reinigen!
    Dann bin ich von Nassreinigungen abgekommen, da die Lösungen den Kleber angreifen können, mit denen der Diamant auf den Cantilever geklebt ist. Ein Kolibrisystem habe ich so “entnadelt”
    Der gute Schmutzradierer aus dem Haushaltsbedarf leistet gute Dienst. Es hört sich furchtbar an, klappt aber super.

    Nur hartnäckige Schmutzreste werden mit Infraschall und Vibration mit einschlägigen Geräten gereinigt.
  • Stromversorgung 230V
    Hier lauern echte Fallen. Viele der älteren Geräte sind konsequent auf 220V berechnet und ausgelegt. Da heute aber bis zu 250V Spitzenspannung möglich sind, gefährdet das die Geräte und verkürzt die Lebensdauer.
    Kondensatoren waren vor 40 Jahren kostenintensive Bauteile und in ihrer Spannungsfestigkeit auf “gerade passend” ausgelegt.

    …Netzteil der 50000er Seriennummern der Quad ESL OHNE Spannungseinstellung

    Sehen die plötzlich höhere Spannungen sterben sie den Spannungstod – und das manchmal mit Rauchzeichen und lauten Knall.
    Um das zu verhindern: Spannungswahl vor Inbetriebnahme richtig einstellen, und falls das nicht möglich ist, einen Regeltrenntrafo davor!!Ein weiterer Punkt ist das konsequente “Anzapfen” nur einer Phase im Haushaltsnetz. Es werden ja 3 Phasen eingespeist; und bezieht die Anlage ihre Spannung aus verschiedenen Phasen, so ist durch Potentialdifferenz die Brummschleife vorprogrammiert. Gegebenenfalls mal den Hauselektriker ansprechen.
    Signalleitungen und Stromleitungen nicht parallel verlegen, sondern kreuzend!!
    Sollten Netzfilter verwendet werden, so muss auf einen Schutzleiter für Geräte zurückgegriffen werden, die mit Schaltnetzteilen laufen. Diese speisen einen Teil ihres “Schmutzes” in den Schutzleiter zurück.

  • Raumakustik
    Lange auch von mir unterschätzt liegt hier sehr viel Potential brach. Ob alter Schallwandler oder neuerer:immer auf ein exaktes Stereodreieck achten. Je nach Schallwandlertyp (Dipol, Richtungsstrahler, nah- oder Midfeld Strahler) die Aufbauhinweise der Hersteller beherzigen. Ist der Zollstock zu umständlich, kann ein Lasermessgerät helfen.

    …animierte Grafik in der Neumann App

    Ein bisschen Einwinkeln zum Hörplatz, ein wenig weg von Wänden und schon gibt es ein neues Klangerleben.
    Subwoofer, Ripole oder ähnliches gehören nicht in die Mitte zwischen die Lautsprecher, sondern auf ein Viertel der Raumbreite UND RAUMHÖHE. gelesen bei Neumann, ausprobiert und Wow!! Die allfälligen Raummoden werden so erheblich reduziert!!

  • Kabelführung
    Das Problem dürfte jeder kennen: je mehr Geräte um so mehr Kabel, und wohin damit??
    Grundregel sollte sein, dass sich Stromkabel und Audiokabel (egal ob symmetrisch oder Cinch) NICHT über längere Strecken parallel befinden.
    Auch wenn es optisch nicht ganz so prickelnd ist, habe ich einen erheblichen Teile der Stromversorgungskabel nach vorne aus dem Rack verlegt und in gute Mehrfachsteckdosen verfrachtet, so dass sich die Audiokabel hinter dem Rack befinden.
    Aber das ist natürlich Geschmacksache …….
    wenn jemand das Patentrezept kennt, wie es noch besser zu lösen ist, bitte melden!!

Bei Zeiten setze ich den Beitrag fort, es sammeln sich ja immer wieder neu Erfahrungen…..