Thorens TD 125MkII – ein bisschen Tuning mit deutlicher Wirkung

Jäger und Sammler, das gibt es auch im Hifi-Bereich. Und wenn einem dann ein Thorens TD125MkII in optisch guten Zustand vor die Flinte kommt, ist es passiert.
Die Sammlung der Thorens-Spieler komplettiert sich…….
Der Neuerwerb muss wohl noch nie eine Werkstatt, eine Aufarbeitung oder derartiges gesehen haben: kompletter Ursprungszustand.
Aber: es musste restauriert werden und der Spieler hatte ein ganz spezielles Problem……

Ausgangssituation

Liest man in den einschlägigen Quellen nach, so taucht der TD125MkII mit seinem 10mm Lager durchaus als Tip auf.
– Nachfolger des TD124 mit Übernahme weniger Merkmale, also Neukonstruktion
– der erste mit massiven Schwingchassis
Motor mit Regelelektronik, Wienbrücke und guten Drehmoment
– Übernahme des Subteller-Teller Prinzips
– elektronischer Tonarmlift
– Tonarm TP 16 mit WECHSELHEADSHELL
– das einfache AT95 als “low cost” MM System

Zustand

Grundsätzlich sah der TD125MkII manierlich aus, insbesondere das Holzchassis und die Haube waren okay.
Der Haubenmechanismus war vollkommen rostig, der Zakmag Teller angelaufen und die Haube wies tiefe Kratzer auf.
Auffällig tief hing das Massechassis nach hinten herunter, da der Riemen sonst Schleifgeräusche machte. Das erläutere ich später noch einmal genauer, da hier DAS Tuningpotential liegt.
Das Stroboskop war hell, die Schalter leichtgängig und die Elektronik funktionierte. Aber er lief nicht ganz konstant – das Stroboskop “wackelte” hin und her.
Der allfällig Staub war an allen sichtbaren (und unsichtbaren) Stellen zu sehen, die Verkabelung noch original.

Restaurierung

Hier kam das Übliche zum Zuge, ohne dass ich den Spieler komplett auseinandernehmen musste.
Das Holz wurde mit einem Pflegemittel aufgearbeitet. Das Furnier wirkte schon sehr trocken.

—-hinten die aufgearbeiteten Scharnierteile -und der Thorensaufkleber

Die verrosteten Anbauteile der Haubenmechanik wanderten ins Ultraschallbad und wurden anschliessend hochglanzpoliert.

…..das macht menschlicher Schweiss nach Jahrzehnten mit Metall – Ätzspuren, die nicht herauszuschleifen sind

Der Tonarm TP16 wurde neu justiert, die Lager geprüft und das Headshell mit einem Austausch System bestückt. Ein Grado red 1 Moving Iron passte vom Gewicht und der Compliance perfekt.
Das massive Tellerlager und die 10mm(!!!) Achse des Tellers wurden hochglanzpoliert und das Lager mit Spezialöl gefüllt.

Die Justage des Chassis

Hier kommt eine neue Erfahrung: der TD125 ist ja der erste “Schwabbler”, also nach dem Prinzip der Federlagerung gebaut.
Die drei Federn sitzen an definierten Stellen des massiven Chassis in höhenverstellbare Domen verbaut.
Ziel ist es, das immerhin über 10kg schwere Chassis so zu justieren, dass

  • das Chassis im Wasser ist
  • rundumlaufend ein gleichbleibender Abstand zur Zarge entsteht
  • das Massechassis eine Auf-/Ab-Bewegung macht (deswegen “Schwabbler”)
  • der Riemen die Pulleyführungen NICHT berührt, also nicht schleift

Nur dann ist der Spieler korrekt justiert!!
Wer es einmal versucht hat, weiss, dass das leichter gesagt als getan ist……

Der Spieler muss von der Bodendecke befreit werden, aufgebockt werden und dann beginnt die Feinjustage.

Aber bei diesem TD125MKII klappte es nicht. Ich habe mir die Finger wundgedreht, aber einer der 4 Parameter passte nicht.

Das Pulley

Irgendwann habe ich es gelassen und bin einen anderen Weg gegangen. Und das ist der Auslöser dieses Beitrages.

Wenn man sich das mehrsprachige Servicemanual genau anschaut, gibt es ein Skizze, die deutlich macht, dass alle beteiligten Bauteile (Motorachse, Tellerachse, Chassisfedern, Riemenlauf) exakt senkrecht zueinander stehen müssen.

….Auszug aus dem mehrsprachigen SM

Beim Nachdenken über diese Skizze kam dann der Zündfunke: was ist denn, wenn der Riemen am Pulley nicht mehr senkrecht läuft?
Das Original ist aus Kunststoff, also durchaus alterungslabil?

….der Übeltäter: ein abgelaufenes Pulley!!

Gedacht, gehandelt und bei audiosilente ein Aluminiumpulley bestellt, dass innerhalb von 48h den Weg von Rom nach Dortmund fand.

Gespannt wurde das alte 2 teilige Pulley demontiert (es steht durch die innere Feder unter Spannung), und durch das Metallpulley ersetzt.
Riemen drauf und los geht es……..

…das montierte Präzisionspulley

Sofort fällt auf, dass der Riemen NICHT mehr die Gabeln berührt, mit denen ein Abspringen des Riemens verhindert wird.

Und das Chassis lässt sich ganz einfach innerhalb weniger Minuten exakt ins Wasser bringen.

Ursache der ganzen Unmöglichkeit der Chassiseinstellung war das Pulley!!!!

Fazit
….fast wie neu

Der Rest ist einfach:
der Spieler spielt famos, und ist zurecht ein würdiger Nachfolger des TD 124 gewesen.
Es war ein ganz frischer Stapel famoser Platten von toflifi kürzlich eingetroffen, die durften als erstes ran!

Mit dem erwähnten System spielt er musikalisch und mechanisch praktisch lautlos.
Das Stroboskop steht stabil, die Bedienung ist haptisch ein Genuss, und so ist die Reihe der Thorensspieler komplett (von TD124 – TD320).

 

 

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