Wachsfigurenkabinett – das Innenleben der Quad ESL 57 Audiounit

Es musste sein, die Audiounit der Quad musste aus Ihrer Behausung, da ich einen Kurzschluss unter der Pertinaxdeckplatte vermutete.
Ausserdem interessierte mich das Innenleben, da mir Bilder desselben fehlten und der Stromlaufplan gewisse Rätsel aufgab.
Was ist z.B. die Drossel (engl. choke), die im Plan erwähnt wird.
Also: aufmachen der Audiounit!

Aber der Reihe nach. Wie in verschiedenen Beiträgen zuvor, bin ich bei der Revision der Quad ESL 57 diesmal an Grenzen gekommen.
Im Rückblick hat das Problem aber nicht in einer fehlerhaften Revision gelegen – sie laufen ja inzwischen famos!! – sondern in einem Wurm, der in der Audiounit steckte.

Bei der Inbetriebnahme des Hochtonpanels kam es zu einer fehlerhaften Ladung des hinteren Stators.
Aber die Ursache lag nicht im aufgearbeiteen Panel, sondern in der Audiounit, da sich nach Tausch gegen eine andere Einheit der Fehler nicht mehr einstellte.

Beim Durchmessen aller Bauteile mit einer LCR-Bridge fand sich kein Fehler?!
Die Widerstände und Kondensatoren lagen im Toleranzbereich, die Induktivität des Eingangsübertragers war nahezu symmetrisch…….
Was bleib, war ein latenter Schluss, möglicherweise durch “irgendetwas” in dem vergossenen Material der Einheit.

Audiounit Verguss mit Wachs
Audiounit Verguss mit Wachs

Die Audiounit besteht aus dem Eingangsübertrager, einer Drossel und einigen Widerständen und Kondensatoren, die die Frequenzweiche bilden.

Um nun an das Innenleben zu kommen, muss das vergossene Wachs ausgeschmolzen werden. Mit Heissluftfön und Auffangschale ging das recht gut – aber nicht bis auf den Boden der kopfstehenden Einheit.
Nachdem ich ca. 500g (!!) des Wachses erschmolzen hatte, machte es “pling” und eine grosses loses Lot-Stück kam zum Vorschein………..

Audiounit Lotstück im Wachs
Audiounit: Lotstück im Wachs…..die Gasentladungsdiode als Grössenvergleich

dann bekann sich die Einheit allmählich zu lösen und konnte als Restwachsblock aus dem Gehäuse “mobilisiert” werden.

Hier einige Aufnahmen:

….vorsichtiges Hochkippen der Pertinaxplatte …. hinten die Ringdrossel (gebogener Ring)!!!

Interessant ist die Ringdrossel, die horizontal über dem Übertrager und unterhalb der Pertinaxplatte lag. Das hatte ich so noch nirgendwo gesehen.

Ausserdem waren die Anschlussdrähte längerstreckig “blank” in das Wachs eingebettet. Ob das im Sinne der Erfinder war??

….das überstehende Drahtstück erinnert etwas an die Gallionsfigur auf dem Jaguar….


Letztendlich habe ich nachverdrahtet und 2 Widerstände in der F-Weiche getauscht.

Audiounit neu aufgebaut
Audiounit neu aufgebaut, aber Schutzdiode noch falsch positioniert

Dann ging es wieder zurück in das Gehäuse und abschliessend wurde mit dem neu geschmolzenen Wachs DURCH EIN FEINSIEB die Einheit wieder vergossen.

Jetzt läuft die Einheit korrekt, und ich vermute, dass beim Eingiessen des Wachses ein zufällig heruntergefallenes Lot-Stück bei der Erstproduktion aufgeschwommen ist und einen Beinahe-Kurzschluss verursacht hat…..

Ein interessantes Erlebnis – und meines Erachtens sehenswert, wie der frühe Aufbau der Audiounit von innen aussieht….