Quad ESL 57 – Restauration auf die Spitze getrieben

Meine Begeisterung über die Klangqualität der “alten” Quad ESL 57 NACH einer Restauration ist ja hinreichend bekannt.
Optimierung der Stromversorgung, Neubespannung mit aktuellen Folienmaterial, möglichst dünne Staubschutzrahmen, modifizierte EHT Einspeisung sind nur einige Massnahmen, die diesen famosen Schallwandler deutlich nach vorne bringen.

Mittlerweile restauriere ich für einen guten Freund das 4. / bzw. 5. Paar, die in einer stacked Version laufen.
Im Rahmen der aktuellen Restauration bin ich auf einige Modifikationen gestossen, habe aber auch unerwartete Probleme bekommen, über die ich hier berichten möchte.

Folien und Zubehör
…die Sendung aus AUS nach 7 Tagen da…..

Wie in bereits gelaufenen Restauration benutze ich im Wesentlichen Das Material von RobMacinlay aus Australien.
Dort beziehe ich die spezielle 3,5 um starke Hitzschrumpffolie, die 4um starke Mylarfolie und das 6um starke Hostaphan.
Ausserdem wird die coatingflüssigkeit von Rob eigens hergestellt.
Alle weitere Materialien kommen vom “alten Kontinent” (Bezugsquellen unten):

  • 3M Scotch DP160 Polyurethankleber mit Aplikationsset und NEUEN Mischspritzen (1)
  • 3M Transparentklebeband (1)
  • Tesa Gewebeklebeband silber (1)
  • doppelseitiges 10mm Tesaklebeband (1)
  • Hochvolt Litze in 5 Farben von mouser.de (2)
  • Nylonschrauben M3 mit Edelstahlmutter (3)
  • 3M Kupferband 5mm (4)

Ohne nun den gesamten Restaurationsprozess erneut zu schildern – das kann ja hier nachgelesen werden – die “neuen Erkenntnisse”.

Die EHT Unit:

…die alte EHT Unit oben links


H
ier beginnt der klangentscheidende Verbesserungsprozess. Noch einmal hat sich Ralph Stens der Platine angenommen und sie vom Layout auf den neuesten Sicherheitsstandard gebracht als auch die streng getrennte Ausspeisung der Ladespannungen für je ein Basspanel und ein Hochtonpanel realisiert.

Quad EHT Unit
…die neue EHT Unit am Trafo montiert


Die Neon-Bulbs sind ausgesprochen hinflreich zur Beurteilung der “Gesundheit” der Panels.

Die Stromversorgung vor der EHT-Unit:
Hier kommt etwas ganz Spannendes und ist die Logik der bereits optimierten Stromversorgung:
im europäischen Stromnetz schwanken die Spannungen durchaus zwischen 207 und 253 V. Dies bedeutet an der Sekundärseite des Trafo’s aber Schwankungen die bereits bei 574 – > 650V liegen!!
Durch die Villardschaltung macht sich das dann “am Ende” noch einmal mehr bemerkbar, da die Schaltung ja eingangsseitig streng 610V sehen möchte.
Den Rest des Gedankenprozessen überlasse ich dem Leser ….. Aber so viel sei versprochen: das wird gaaanz spannend!!

Mit anderen Worten: wenn der Lautsprecher klangstabil laufen soll, muss die Ladespannung konstant sein.
Und genau das ist ein neues Projekt, das bereits gut voran geschritten und demnächst vorgestellt werden wird.

Die Audio-Unit:
Hier sei noch einmal auf die Gasentladungselektrode und die Beschaltung nach dem neuen Schema verwiesen.
Fehlverdrahtungen machen Frequenzgangveränderungen aus! Bitte auf die Schaltpläne schauen: “old style ” oder “new style” ………

Aufarbeiten und Neubespannen der Staubschutzrahmen:

….vorgespannte Bassfolien


Das Original ist mit einem Polyurethankleber versehen, der hässliche Klebereste auf dem Holzrahmen hinterlässt und eine komplette Entfernung der Staubschutzfolie kaum zulässt.
Inzwischen schleife ich die Rahmen auf einer Scheibenschleifmaschine (Hegner 300mm) bis auf das gesunde Holz herunter.

..die Schleifmaschine – geniale Arbeitserleichterung!


Damit ist dann das bekleben mit doppelseitigen Klebeband ein Kinderspiel.
Die aktuell dünnste Hitzeschrumpffolie ist mit Vorsicht zu geniessen:
– sie reisst extrem leicht
– der Schrumpfungsprozess erfordert sehr viel Geduld und IMMER den richtigen Abstand des Föns, ansonsten ist ein Loch ruckzuck entstanden.
Mir persönlich gefällt die 4um stärkere Folie besser und verwende sie deshalb vorrangig.

Panel-Inspektion:
Erstaunlicherweise finde ich nach dem Öffnen der Panels (Aufbohren der Messingnieten mit 4,5mm Metallbohrer) immer wieder gebrochene Luftstege oder unsauber verklebte Luftstege.

gebrochener Luftsteg
gebrochener Luftsteg


Hier ist sorgfältiges Nacharbeiten und Beschichten mit Cu-Folie ein Muss.
Und: Aussaugen bevor beschichtet wird!!

Folienspannung:
Die Mylar. bzw. Hostaphan Folie wird ja definiert vorgespannt. Am besten geht dies mit braunen Klebeband der Fa. Tesa.

Der Film lässt sich nämlich ohne Beschädigung noch mal von der Folie entfernen, wenn es eine Fehlklebung gegeben hat.

Basspanel-Einspeisepunkte:
Die Pertinaxplättchen, die die Einspeisepunkte tragen sind sehr pfiffig auf dem Holzrahmen angebracht und sollten unbedingt weiter genutzt werden.
Manchmal sind aber die Lötpunkte gebrochen:

Anschlussadapter
….neuer Anschlussadapter Basspanel


Hier kann mit einem Nylondistanzhalter und 3 Lötösen zum Ersatz gegriffen werden. Die Verschraubung gegen den Holzrahmen nehme ich ebenfalls mit einer Nylonschraube vor, um eine optimale Isolierung zu erzielen.

Verklebung der Folie:

Restauration Polyurethankleber
…..3M 2K Polyurethankleber


Rob liefert im Komplettset normalerweise einen 1 K Polyurethankleber mit, der sich aber extrem schwierig und nur mit grossen Kraftaufwand applizieren lässt.
Hier greife ich mittlerweile zum 2K PUT Kleber DP610 von 3M. Damit wird das hauchdünne Auftragen zum Kinderspiel!!!

Randschluss der Panels:
Hier habe ich Anfangs mit Tesa Produkten experimentiert, die beste Haftfähigkeit hat aber der 5cm breit Transparentfilm von 3M. Damit lässt sich der Rand optimal und mit Grundspannung verkleben.

Verschluss der Einheiten:
Hier bewährt sich das Tesa Gewebeband, wie es in jedem Baumarkt erhältlich ist. Die Staubschutzfolien werden damit zusätzlich gesichert.

Beim endgültigen Zusammenbau lasse ich die alte Rosshaardecke weg, allerdings bedämpfe ich die Rückseite der Hochtonpanel’s mit 3 Lagen des Ursprungsmaterials.
Die Rückseiten verschraube ich mittlerweile mit 3,5 x 25mm Spaxschrauben samt frischer Beilagscheibe.

Mit all diesen kleinen Verbesserungen ist eine Quad in ca. 20 Stunden Arbeitszeit – also das Paar – in 40 Stunden komplett revidiert und klingt phantastisch frisch und druckvoll
Zeitaufwand 1 Quad ESL57 in Minuten:

Zerlegen inclusive. Demontage Elektrik. 60

Abnahme Staubschutz und Schleifen 3 x 15 60

Aufbohren Hochton 20

Aufbohren Bass 25

Reinigen der Ränder 10 6x 10 60

Belegen Kupferband 15 6x15 90

Aufspannen mylar/hostaphan 3 x 30 90

PUT Kleber und Auflage 3 x 10 30

Coating 3x10 30

elektrische Messung und Löten 3x15 45

Verschluss und verschrauben Panel 45 3x45 145

Vorbereiten Staubschutz 6x10 60

Hitzeschrumpffolie 6 x 10 60

Verschluss der Einheiten 3x 60 180

Rückbau und Verkabelung 90
Verschluss der Quad 100
Doku und testen 60 Minuten

Summe 1205 entspricht ca. 20 Stunden

Ralph wird das Klangerleben eigens noch mal rezensieren, gelegenlich lohnt sich ein Blick auf seine famose mit Elektronik-Tips gespickte Seite!!

Aber auch ein paar Worte zu unerwarteten Problemen:

Auftragen der Coating Flüssigkeit:

Restauration Schwammpinsel Coating
…der Übeltäter – ein älterer Schwammpinsel


Hier habe ich das erste Mal richtig Probleme gehabt, da ich einen alten Schwammpinsel verwendet habe. Es müssen sich mikroskopisch kleine Einzelpartikel gelöst haben, die eine unsaubere Beschichtung ausgelöst haben.

Das Resultat war ein Zischen und Knistern der Folie, im Dunkel sogar sichtbare Überschläge; das alles machte die Folien-Vor-Spannung zunichte und sorgte für die komplette Zerlegung der Einheit, ein Neubespannen, Neubeschichten,……
Ärgerlich!! Konsequenz: pro Paar ein neuer Pinsel – kostet 1,90 Euro (5)
Aber: es war nicht nur eine Kleinigkeit bei der Beschichtung, die falsch lief, viel dramatischer waren Spannungsschwankungen auf der Primärseite des Trafo’s.
Das wird ein eigener Beitrag!!
Titel: was hat der Funke in unseren Elektrostaten zu suchen??

Bespannen und Aufziehen der Hitzeschrumpffolie
Auch hier gab es unerwartete Probleme. Es mag sein, dass eine nochmal dünnere Folie (3,5um) klanglich eine Verbesserung darstellt, da weniger Masse im Weg ist.
Aber was nützt es, wenn trotz sorgfältigster Vorgehensweise das Material in nullkommanichts ein Loch hat und mechanisch nicht im Geringsten belastbar ist?? Manchen Rahmen musste ich 4 x bespannen, bis es hielt…..
Konsequenz: ich nehme wieder die doppelt gefaltete 4um Folie. Robust, widerstandsfähig, klanglich nicht hörbar schlechter……

Aber unter dem Strich:
Deutlicher Klanggewinn, unseres Erachtens einer der besten Schallwandler auf diesem Planeten!

Quellen:
(1) Stadler online Klebebedarf. Top Kommunikation, fairer Preis, sehr schneller Versand
(2) mouser.de
(3) eraudio
(4) Dondo Shop
(5) ebay Künstlerbedarf