Studer A81 Neuaufbau – Albtraum oder Traum?

….eine ‚gerupfte‘ Studer A81 in Sonderausführung

 

…unten links eine abgerockte Studer A81

In der Auseinandersetzung mit den Studer Bandmaschinen (von der B67 bis zur A807) tauchen zwangsläufig immer die ECHTEN Mastermaschinen A80, A820 und Studer A81 auf.
Wer einmal den Bandzugregelmechanismus und die behutsame Behandlung des Bandes gesehen hat, bekommt das als Bandmaschinenfan nicht mehr aus dem Kopf.
Alternative wäre die Telefunken M15(A), aber die hatte ich schon mal vorgeführt bekommen und war angesichts der Grund-Geräuschkulisse eher befangen.
Aber Studer A80 oder A81 gebraucht?

Der Markt gibt aktuell (2026) nichts mehr her, was bezahlbar wäre.
Wäre ich da nicht über eine Konvolut von Bandmaschinen in unmittelbarer Nähe über kleinanzeigen.de gestolpert……
Darunter war eine mächtig abgerockte Studer A81!!

Kurzum, es geht um den Versuch eines Neuaufbaus einer Studer A81 – und diesmal mit wenig Text und vielen Bildern. Es ist das Netz nur spärlich mit Informationen ‚gefüttert‘, und vielleicht stellt dieser Betrag eine seltene Dokumentation der Studer A81 dar.

Was steckt hinter der A81

Die Studer A81 ist eigentlich eine Studer A80 RT, die speziell für den deutschen Rundfunk entwickelt und gebaut wurde. Der wesentliche Unterschied ist die deutsche Schichtlage, also ein spiegelbildlich gebauter Kopfträger, so dass das Band auf der Rückseite des Kopfträgers geführt wird.
Die Rundfunkanstalten nutzten bis zum Ende der analogen Ära diese historisch bedingte Wickelführung – u.a. wegen Gewinn an Geräuschspannungsabstand und geringeren ‚Kopiereffektes‘ des Bandes.
Näheres kann hier nachgelesen werden.
Aber: im Kern ist sie eine A80RT, was sich u.a. in der Kartenbestückung äußert!!

Studer A81
…..schlachten oder aufbauen? Studer A81 nach dem Kauf

Die angebotene Maschine war ‚geschlachtet‘, also wesentliche Bauteile waren entnommen.
Der Kopfblock fehlte und die Bandandruckrolle (pinch roller) ebenso.
Ansonsten war sie komplett und in optisch befriedigenden Zustand.
Der Betriebsstundenzähler war eher abschreckend, dazu am Ende einige Worte.
Dafür war der Preis unschlagbar gering (weit unter vierstellig).

Studer A81
Kopfblock und pinch roller fehlen
Studer A80/81
Gut erhaltener AEG Adapter Offenwickel

Studer A81 Netzteilsektion

Studer A81 Schnitteinrichtung
….pragmatisch aber optisch unpassend die Bandschere – mächtig verkratztes unteres Abdeckblech
Studer A81 headblock
..einfach abgerissen Kopfleitungen

Dennoch bleibt die Frage, ob ein Studer A81 Neuaufbau gelingt und damit zum Traum wird, der in Erfüllung geht?
Oder ein Albtraum ohne Ende, weil der Wunsch nach solch einer Maschine zu gross war und es schlicht am Ersatz und Bestand scheitert???

Kaufsituation

Die Maschine zeigte bei Netzanschluss das ‚digitale’Zählwerk, die Spoolingmotoren drehten bei ’start‘, der Capstan war mit ein wenig Nebengeräuschen zu hören, die Bandzugwaagen liefen gefühlt ungedämpft.
Es fehlten: Kopfträger, Abdeckung, pinch roller.

Im Zuge der Verkaufsverhandlungen über mehrere Tage fanden sich quasi parallel im Netz die fehlenden Komponenten, ohne die ich ‚die Finger davon gelassen hätte‘:

  • Niederlande: Kopfträger mit versiegelten Stellschrauben

    Studer A81 Kopfträger
    ….. nackter Kopfträger, votjustierte Taumenplatten
  • Rheinland: Kopfabdeckung
  • Albanien: NOS Löschkopf
    Studer A81 - erase head
  • Kanada: NOS Aufnahmekopf
    Studer A80/81 record head 317er serie
  • Australien: pinchroller
  • Belgien: Andruckagregat und pinchroller-Abdeckung
    Studer A81 Andruckaggregat
  • Deutschland: sehr gut erhaltener Wiedergabekopf und Dreizackadapter für die Spulenaufnahme
  • Studer A80/81 record head 317er serie
    ….alle Köpfe schon aus der 317er Reihe!

Mechanischer Neuaufbau

Es werden nur Abweichungen oder Besonderheiten schriftlich erläutert, die dem Servicemanual (A80RT PLUS A81-R) nicht zu entnehmen sind oder schwer verständlich ausgedrückt wurden.
Ansonsten erzählen Bilder die Geschichte…..
Die Reihenfolge entspricht der Vorgehensweise des Neuaufbaus, nachdem die Maschine komplett zerlegt war.
Die Reinigung erfolgte unter anderen Im Ultraschallbad mit Tickopur, ansonsten händisch mit diversen Spezialitäten…..
Benötigt wurden Kugellager, Silikonöl und Ersatzschrauben.

Dämpfungselemente

Das machte am meisten Kopfzerbrechen, da das arbeiten mit Silikonölen nicht meins ist… Aber der Dämpfer war komplett leer und werkelte nur mit den Federn!!

Studer A81 damper

…Einzelteile der Zerlegung von links nach rechts …

…erst die linke Lagerbuchse, dann das Silikonöl…

….frisches Fett auf dem Federwerk, frisch gefüllter Dämpfer
Studer A81 Bandwaage Damper Unit
….funktionelle Einheit aus Bandzugwaage und Dämpfereinheit

Nach dem erfolreichen Zusammenbau und Rückbau auf die Bandzugwagen (die Potentiometer waren okay!) liefen die Waagen gaaaanz sanft.

Linke und rechte Bandzugwaage/Bandführung

Die Lager der Umlenkrollen hatten alle gefressen und mussten durch Miniaturlager ersetzt werden (8 Stück in Summe).
Dazu eine grundlegende Bemerkung:
Kugellager werden heute mittlerweile al täuschend ähnliche Plagiate gefertigt – oder nur hinter vorgehaltener Hand als ‚China-Ware‘.
Der erste Versuch ging gründlich schief (Express-Ware), erst das Nachordern von Lagern aus der österreichischen Kugellagerfertigung (NKE) machten die Umlenkrollen der Bandzugwagen geräuscharm!

Capstanmotor

Studer A81 - Capstan
…alles knochentrocken, Rueckbau von rechts nach links, im Träger den oberen Filzring tränken (PDP65)
…wieder am alten Platz
Wickelmotoren

Studer A81 spooling motor

Studer A81 Spoolingadapter
runderneuerter, gereinigter Wickeladapter – hier AEG für Offenwickel
Linke Bandumlenkrolle mit Wirbelstrombremse

Der Ausbau ist etwas trickig, da zunächst der Magnet der Wirbelstrombremse von innen abgebaut werden muss, dann erfolgt das Lösen der Kontermutter UND MUTTER der eigentlichen Bremse, um anschliessend die Achse nach oben zu entfernen.
Erst dann kann der domartige Trager gelöst und abgebaut werden.

Studer A81 Bandrolle links
…zerlegter Dom, Bauteile li-> re = unten > oben. Die Kontermuttern halten die Wirbelstrombremsscheibe
Rechte Bandumlenkrolle mit Tachoeinheit
Studer A81 tachosensor
…in der Mitte das Tachorad – hoffentlich sind die Sensoren noch in Ordnung? (Platine)
Bandandruckeinheit
…das passt!!
Tastereinheit mit Digitalzähler
….hier mussten drei Tantal gewechselt werden – ansonsten Klöppeln mit IC’s

…alle Tasten wurden zerlegt, gereinigt, mit neuen Diffusoren (reinweiss)versehen und die Kappen poliert
Kopfblock

Hier musste alles neu aufgebaut werden, und das quasi als ‚Herztransplantation‘. Mißlingt es, wäre das Projekt gescheitert.

…erstes Probeliegen des Gehäuses
Studer A81 - headblock
…Hebel, Spiegel, Bandstempel und Abdeckplatte sind aufgearbeitet

Vorweg: am meisten Nerven haben die Logistikunternehmen DHL und Hermes gekostet. Die Einfuhr nach D’land stellte kein Problem dar, aber der Transport innerhalb von D’land??
Zum Teil dauerte es 3 Wochen(!!!), bis der Paketbote klingelte…..

Vorverdrahtung des Cannon-Adapters
Ltzen aus hochwertigen Sommer-Kabel entnommen (rot =braun und weiss = schwarz im Stromlaufplan) – am Ende brauchte es aber nur der Löschkopf, die anderen hatten Anschlusskabel
…der Löschkopf sitzt schon mal
Studer A81 record_head
….der NOS Aufnahmekopf aus Kanada
…da stehen die Prachtstücke – Aufnahme neu und Wiedergabe wie neu
Kartenschacht rechts

Ein Karte saß schräg, da kurzerhand ein abgebrochenes Stück Kartenführung ‚versetzt‘ wurde.

…so stehen alle Karten gerade und in richtigen Abstand
Schnelldurchgang
Studer A81 Druckgusschassis
…..das gereinigte und entkernte Druckguss-Chassis
Tasteneinheit und Zähler
….untere Abdeckung und Kopfblock samt Antriebsrolle
Bandzugwaagen beidseits
….bis auf Aufnahme und Wiedergabekarten neu bestückt – Blende noch nicht lackiert

…erstmals komplett mit nachlackierter unterer Blende
Elektrischer Neuaufbau

Es wird auf Bilder der revidierten Karten verzichtet, da es selbstredend ist, 50 Jahre alte Elko’s, Gleichrichter und Motorkondensatoren zu tauschen.
Deshalb verkneife ich mit hier auch Bilder der ‚revidierten‘ Platinen.
Zur A80 gibt es sie reichlich im Netz…..

Interessant ist, dass die 30uF Motorkondensatoren aus der Parallelschaltung von 10uF und 20uF realisiert wurden.
Im Tausch wurde das beibehalten! (obwohl heute 30uF kein Problem mehr sind).

Da die neuen 10uF Kondensatoren recht lang aufbauen, wäre ein Kurzschluss wegen der unmittelbaren Nähe zum Metallchassis denkbar.
Mittels Winkel wurden sie kurzerhand horizontal und mit Abstand montiert.

Motorkondensatoren (5 Stück!!)

Studer A81 Motorkondensator Bank 1

Netzteilkondensatoren (4 Stück – einer verdeckt)

Studer A81 rectifierboard
Gleichrichterplatine…..
teilrevidiertes und zuvor ausgebautes massives Netzteil
….der alte Gleichrichter hielt die Platine auf Abstand zum Seitenblech. Sicherheit geht vor: Isolierstrecke!!
Audioplatinen

Alle Elektrolykondensatoren wurden getauscht, exemplarisch 2 Platinen im Vorher/Nachher Vergleich:

Studer A81 Aufnahmeverstärker
Studer A81 Aufnahmeverstärker – links revidiert (hochwertige Kondensatoren!!)
Studer A81 - Wiedergabeverstärker
Studer A81 – Wiedergabeverstärker – links revidiert

Wer Näheres zu den Karten sehen möchte: analogfan.de

Bandendschalter

Obwohl beim Testen die Birne des Lichtgebers noch intakt war, gab sie nach weiteren Ein/Ausschaltversuchen auf.

Kurzerhand wurde die vergossene Birne VORSICHTIG UND Millimeter für Millimeter aus der Metallhülse ausgebohrt, die Glaslinse gereinigt (innen und aussen) und mit einer warmweissen LED inclusive Vorwiderstand bestückt. Das klappte bestens!

Studer A81 Bandendschalter
…der neue LED Lichtwerfer

Sonderausführung Wickelhebung rechts
…links die weisse Taste über den Spultasten betätigt das Anheben der letzen Rolle hinter der rechten Bandwaage

Vermutlich der M15a geschuldet, wurde bei dieser Maschine ein Taster links über dem Tastenfeld, ein Druckrelais, und eine weitere anhebbare Umlenkrolle rechts hinter der Bandwaage verbaut.

Mit Druck auf den Zusatztaster hebt sich die letzte der Bandrollen und sorgt für eine Erhöhung des Bandkuchens auf der Aufwickelseite.
So sind Schnittstellen leichter auffindbar und einfacher zu schneiden.

Gehäusebau Nussbaum
…rauchglasfarbene Acrylscheibe (3mm) vor den Kartenschächten. Die Laufwerksteuerungs-LED’s sind gut zu sehen

Um den Charme der A80/A81 zu erhalten, beschränkte sich mangels Wagen der Umbau auf Seitenwangen aus massiven Nussbaum (ähnlich der 800er Serie), einer frontalen Acrylglasabdeckung vor den Steckkarten und einer hinteren Abdeckung, um nur den Netzanschluss und die Audioanschlüsse freizulassen.

…Bandhebemechanismus hinter der Bandwaage – Bedienung durch den Knopf über der Rückspultaste


So kann die Maschine sehr schön in ein bestehendes Equipment integriert werden und benötigt nicht den grossen Truhenwagen.

Mechanische Justage

Es gibt ein hervorragendes Video, in dem die Justage einer A80 R beschrieben wird. Das Vorgehen kann – bis auf die elektrische Bremsenjustage – 1:1 übernommen werden.
Und hier die Überraschung: das gelingt ohne irgendein eletromechanisches Problem auf Anhieb.
Bei der Justage der elektrischen Bremseinheit musste etwas getüftelt werden.

Neueinmessung

Was war nun richtig defekt und musste mühsam repariert werden?

Die Wiedergabeverstärker liefen auf Anhieb mit den guten Wiedergabekopfen perfekt. Hier war sofort alles im grünen Bereich und der Abgleich mit Frequenzgangband klappte problemlos.

Auf den Aufnahmekarten gab es auf einem Kanal Probleme:
– das Relais (Reed-Relay von Erni (DILRID)) war hochohmig, so dass die Anforderung zum Aufnahmebetrieb ohne Signal blieb.
Gelöst wurde es mit einem pingleichen 24V Meder Relais aus aktueller Fertigung, dass dann IC gesockelt wurde. Das war die Pflicht…….

…nachgerüsteter IC Sockel, das Meder Ersatzrelais ist auf dem Postweg, neue Elko’s

Zur Kür wurde der Spoolingmotor (Supplymotor) auf der linken Geräteseite.
Solange Playbetrieb oder ein sanfter Edit-Betrieb lief, war alles im grünen Bereich.
Aber:
Rückspulen ging nur mit mechanischen Anschieben und das Bremsen machte ordentlich Nebengeräusche. Ebenso der Edit-Modus bei schnelleren Betrieb.
Nach dem Einlesen in das Thema und Analyse der Schaltung blieb am Ende ein teildefekter Motor, der nur im Playmodus ausreichend lief.
Solange kein plötzlich hoher Strom gefordert wurde, war alles okay.
Aber wenn der hohe Anlauf-Strom notwendig wurde (Schnellspulen oder Edit am Anschlag), brach die Antriebsspannung spektakulär ein (von 113V auf ca. 75V), und die Suche gestaltete sich mühsam.
Erst der Tausch der Motoren und belassen der Motorkondensatoren brachten Licht ins Dunkel.
Also brummte und ruckelte der Motor, weil nicht der Strom kam, den er erwartete – egal auf welcher Seite er angesachlossen war.

Also der saure Apfel, und für 100€ wurde ein NOS Wickelmotor geordert (audiothek24.de). Nach dem nun mehrfach geübten Einbau und der Justage der mechanischen Bremsen lief die Maschine endlich korrekt!

Das war bei dem 50 Jahre alten Gerät alles, was sich nach Elko-Kur, Relaistausch auf der Aufnahmekarte und Motorkondensatorkur als Fehler darstellte.

Fazit

Diese Maschinen wurden für eine gefühlte Ewigkeit gebaut!!
Wenn Sie nicht aus grosser Höhe gestürzt sind, geht auf dem massiven verwindungsfreien Druckgusschassis nichts kaputt.
Deshalb sind auch nahezu alle Teile ersetzbar, sofern man sicht Zeit lässt und in aller Ruhe sucht.
Beim Neuaufbau passten die zugekauften Teile ‚wie Ar… auf Eimer‘, super passgenau ohne irgendein Spiel.

Das optische Aufarbeiten hat Spass gemacht, incl. der Neulackierung der unteren Abdeckblende. Die sichtbaren Schrauben habe ich letztendlich doch alle ersetzt, da die Altschrauben relativ rasch wieder Flugrost ansetzten.
Ansonsten ist alles Original belassen.

Um die Frage im Titel zu beantworten:
es ist ein Traum geworden, aber nur haarscharf am Albtraum vorbei: alles war bis zum Schluss eine Geduldprobe; vom Versanddienstleister bis zur Fehlersuche (KI / AI bitte an der Stelle vergessen!!).

Die Maschine hat ein phantastisches Handling des Bandes und der Klang ist – trotz belassener A101 – über jeden Zweifel erhaben.

Das war vermutlich das letzte grosse Bandmaschinenprojekt!!

„Wehrmutstropfen“

Mit 94kg Lebendgewicht ist die Maschine kein ‚Einmann-Objekt‘ mehr.
Auf den Verbau von Handgriffen wurde verzichtet, so dass EINMAL entschieden werden muss, wo die Maschine final stehen wird.

Der zweite Punkt ist der echte Studioaspekt:
– keine Vorband/Hinterbandkontrolle ohne Eingriff in die Elektronik
– kein cal/uncal Betrieb ohne Zusatzkarte
– keine VU Einheit

Da wird unter Umständen noch modifiziert, zumal es von Werk aus vorgesehen war. Aber das spezielle Connectionboard zu ergattern dürfte schwierig bis unmöglich sein….

Bildnachlese
…Einleger vergilbt – aber Original
….ungenauer Bandwickel links vor MJ411 Tausch

…sehr gleichmässiger Wickel nach dem Motortausch
….ohne Worte – nun ist er abgklemmt, da es bei Null wieder losgeht 😉