Preline mit 3 Vorstufenarten – Triple-Pre 2025

Lieber Leser,
eine sehr kurzweilige Sommerzeit ist herum, und mit Einzug der Bastelzeit folgt ein neues Projekt, dass es klanglich und technisch in sich hat: feinste Zugaben zu einem ‚ ***** Sterne-Menü‘ .
Schon lange geisterte mir der Gedanke im Kopf herum, eine Preline als klanglich entscheidendes Kettenglied zu planen und bauen, die viele Merkmale in sich vereint, die sonst nur in getrennten Geräten möglich wäre.
Kurzum: hier sind 3 unterschiedliche Line-Stufen verbaut, die wahlweise genutzt werden können: eine MTA-Röhren-Vorstufe, ein klassischer Buffer, und ein Class-A Vorstufenmodul.
Deshalb Triple-Pre……

Technische Eckdaten

– Eingangsmodul mit 4 SE Eingängen
– Klangregelung über aufwändige JFet Stufe und Alps-Bluepotentiometer
Laustärkeregelung über Muses72320 mit nachgeschalteten NJM8080 OPAmp
https://www.nisshinbo-microdevices.co.jp/en/MUSES/assets/img/series/product-image/MUSES72320.jpg
Gainregelung und Speicherung jedes Eingangs
– 3 schaltbare Vorstufenmodule: MTA-Preline, Buffer, Class-A-Preline
– Ausgangsstufe mit symmetrischen Ausgangsübertrager

Verstärkungsleistung 1:1 ohne Gainregelung und +31,5dB mit Gainregelung

Spannungsversorgung

Immer deutlicher wird dem Schreiber, dass mit der Spannungsversorgung das klangliche Ergebnis fällt oder steigt.

Da die Steuerung des Verstärkers über einen Atmegaprozessor erfolgt, setzt bereits hier das Prinzip ein: mehr Materialeinsatz, moderne Schaltungskonzepte, mehr Klanggewinn.
Die Digitalelektronik samt Relaissteuerung und Muses-Steuerung erfolgt über einen Capmultiplier in Zenerdiodenregelung und nachfolgender Spannungsregelung auf exakt 5V.

Der Jungregler mit +-15V vor dem Musesbaustein, dem Buffer und dem Class-A Modul wäre einen eigenen Artikel wert, aber hier sei er ’nur‘ erwähnt. Ein OPA134 in Servoschaltung macht die Spannung quasi ripplefrei, und liefert den empfindlichen Teilen der Kette beste Spannungsqualität.
Die Kosten sind gegenüber einer „einfachen“ Spannungsregelung (passiv oder über klassische Spannungsregler aktiv) nur unwesentlich höher.

Gleiche Anforderung an die Anodenspannung der MTA-Preline: auch hier kommt erstmalig ein aktiv geregeltes und exakt auf die Spannungsanforderung einstellbares Modul mit einer OPA134 Regelung zum Einsatz.

…der Hochspannungsregler

Und das hat es in sich, da die Ausgangsspannung äußerst konstant (unabhängig von Netzschwankungen) und KOMPLETT ripplefrei ist.
Die MTA-Preline dankt es!!

Lautstärke und Gainregelung

Lange habe ich mich um die Planung und den Aufbau sowie die Programmierung eines MUSES72320 herumgedrückt. Aber dieses mal sollte es realisiert werden, u.a. wegen der Anpassung der Eingänge mit individuellen gain-Einstellungen.
Kein Datenblatt wurde so sorgfältig studiert, wie die Unterlagen von NJR.
Dabei fiel dann auch der eher nebensächlich bemerkte Teil auf, in dem die ausdrückliche Empfehlung steht, dem MUSES einen emfohlenen OPAmp nachzuschalten, der über den Muses in seiner Verstärkung geregelt wird.
So wird neben der Einstellbarkeit des gains auch die Signalstärke bis maximal 31.5dB angehoben.

In der Vergangenheit haben die allermeisten Nachbauer auf diese OPAmp-folge verzichtet, da wohl klangliche Einbussen befürchtet wurden, oder OPAmps im Signalweg schlicht unerwünscht sind.
Ohne auf die Diskussion all zu sehr einzugehen: ich habe den NJM8080 in der Folge nur positiv erlebt…..

Module

Eingangs/Ausgangsmodul

Triplepre
…komplexe Verkabelung

Rechts liegen 4 Eingänge, die sowohl signalseitig als auch mit der Masseführung getrennt geschaltet werden.
Die dicht gruppierten SMB Buchsen samt Relais schalten die Ein- und Ausgänge der Prelinemodule.
Darüber liegen die SE Ausgänge

Klangregelung

Hochwertig gematchte JFET, Styroflexkondensatoren und Alps Blue Potentiometer machen einen perfekten ‚Kuhschwanz‘.

Aufbautechnisch wurde die Backplane mit der Digitalregelung so kontruiert, dass Klangregelung und Backplane uber Durchführungslöcher senkrecht zueinander stehen, ohne das Modulprinzip auszuhebeln.

Backplane

In der Frontansicht stehen 2 Drehencoder, 7 LED’s ein IR-Receiver und der Atmega im Vordergrund

…dicht beieinander: Muses, NJM(U7), Atmega, MCP23017, Ulm2803, SMD-Technik

In der Rückansicht dann um den Muses herum die nochmals spannungsstabilisierende Kondensatorbank.

Unmittelbar neben dem Muses ist der besagte NJM8080 als bipolarer Amp positioniert.
Das Layout und die Leiterbahnführung orientierten sich genau an den Datenblattvorgaben.

Jungregler
Hier verweise ich auf den ‚Superreg‘ Beitrag, der weiter oben verlinkt ist.

….der Junggregler, Spannungseinstellung mit dem Trimmer auf 3 Stellen hinter dem Komma

MTA-Preline

….zwei MTA Module und darüber der Hochvoltspannungsregler

Auf gerade einmal 9x9cm hat B.J. beim Platinenlayout den kompletten MTA-Preline nach F.Blöhbaum untergebracht.
2 Module werkeln an der rechten Aussenseite, angetrieben von einem guten alten TFK-Trafo in Philbert Bauweise.
Der Röhrenteil wird aber nur im „tube“-Betriebsmodus zugeschaltet, läuft also nicht dauerhaft.
Die DC-Heizung ist mit 4 UF Dioden und Kondensator ‚onboard‘, ebenso die zeitgesteuerte Zuschaltung der Anodenspannung nach 30 Sekunden.

Buffer

Sehr einfache Schaltungstechnik, wenige Bauteile, aber eine super genaue und authentische Musikwiedergabe: so kann man das kleine Modul beschreiben.
Klein aber oho!! Auf Bilder oder Beschreibungen verzichte ich, da das ‚Urheberrecht‘ in Hamburg liegt.
Wieder einmal: nicht mit fremden Federn schmücken…..

Class-A-Preline

Dieses Modul ist vom bekannten ‚Whammy‚ abgeleitet und auf die Anforderungen dieses Triple-Konzeptes abgestimmt worden: also eine Modifikation.

Das Spannungsversorgungsteil wurde durch den Jungregler ersetzt, die gain-Potentiometer gebrückt und die Eingangsimpedanz angepasst.

…die modifizierte whammy Schaltung
Gehäuse
….gutes altes Nussbaumholz, Acrylreste, gedrehte Knöpfe – fertig…

Mittlerweile steigen die Gehäusepreise wie die Goldpreise – und das möchte ich nicht (mehr) zahlen.
Also kamen Reste unter den Hammer, die Frontplatte aus Alu (Rohmaterial 40€ !!) wurde durch einem gut abeglagertes Nussbaumbrett ersetzt, die Acryleinleger in schwarz auf der CNC erstellt und einiges andere kostengünstig gestaltet.

Alle Platinen im Hochvoltbereich sitzen auf Nylonabstandshaltern, die Gehäusemasse ist zentral mit Zahnscheiben sicher realisiert.

Programmierung

Folgende Funktionen mussten in der Programmierung des Atmega328 bereitsgestellt werden:

  • Quellenwahl
  • Lautstärkeregelung MUSES72320
  • Gainregelung des NJM8080
  • Muting
  • Zuschalten der Klangregelung
  • Mono-Funktion
  • Wahl des Preline-betriebes (tube, buffer, class-A)
    Bei Zuschalten/Wahl der Röhrenstufe wird die Preline 20 Sekunden gemutet (mit Anzeige) und erst nach Freischalten der Anodenspannung zugeschaltet.
  • Speichern aller Parameter im Eeprom
  • Anzeige der wichtigsten Funktionen in einer 4×7 Segmentanzeige
  • Fernbedienbarkeit

Das Programm umfasst immerhin 70% des verfügbaren Programmspeicherplatzes. Die Musesprogrammierung gelang nur mit Hilfe des Datenblattes und einer Arduinobibliothek, die spärlich dokumentiert die wichtigsten Funktionen bereitstellt.

Fernbedienung/Kabel/Signalleitungen

Bis auf die gainwahl und die Wahl des Prelinemoduls sind alle Funktionen fernbedienbar (RC5 Code über TSOP IR.-Receiver).

Als spannungsführende Kabel wurden diesmal 0,5qmm Silikonleitungen (Pollin) verwendet. Alle Kabel wurden verdrillt und möglichst nicht parallel verlegt. Sämtliche Anschlüsse sind als steckbare Verbindungen (Wago o.ä) ausgeführt.

Alle signalführenden Leitungen sind über SMB-Buchsen und RG-Kabel aus der HF Technik geführt. Dies hat sich inzwischen so bewährt, das nichts anderes mehr in die Geräte kommt.
Wer die Kosten scheut – und es ist nicht die kostengünstigste Verbindungstechnik – der darf nach Fernost schauen. Dort ist es dür 30% – 50% des hiesigen Preises verfügbar.

Klangeindruck

Vorsicht, das ist immer subjektiv und bei eigenen Projekten verliert sich eine Beschreibung schnell in Schwärmerei.

Die Triple-Preline holt aus allen 3 Modulen mehr als das bisher Bekannte heraus. Es ist der Spannungsversorgung geschuldet – das ist der erste Eindruck.

Unabhängig von der Wahl beeindruckt die Brumm- und Rauschfreiheit des Gesamtkonzeptes. Die Musik kommt aus dem Nichts – manchmal auch als Hintergrundschwärze bezeichnet. Da ist kein Rauschen, auch nicht bei weit aufgezogenen Volume- oder gain-reglern.

Das MTA Modul geht druckvoll und musikalisch zu Werke, pflegt Basspartien etwas zurückhaltender als Buffer oder Class-A, aber auch kontrollierter.

Der Buffer ist immer noch das Mass der Dinge, aber der Vorsprung zur MTA schmilzt!!

Der Class-A Betrieb macht, was er soll: schnell, solide, musikalisch, detailliert und sauber: so könnte man es beschreiben.

Das Schöne an dem Konzept:
die Tagesform und die gewünschte Musik dürfen die Wahl des Preline-Typen bestimmen.

Und das genau war der Plan!!

…noch nicht vollendet, aber die Module sind gut zu sehen. Die Class-A Preline kommt ‚huckepack‘ auf den Klangregler – aber schon gestestet!!